Liebe Freunde des gesetzten Wortes,

GnBK-pólis hat sich für das Jahr 2012 -und die nachfolgenden ca. 100- auf die Fahnen geschrieben, dass es einigen Eliten unseres Landes eine Hommage erweisen will, weil es fest davon überzeugt ist, dass nur die Expertokratie die Fähigkeit in sich trägt, die Demokratie zu überwinden und im Paradies verschwinden zu können, damit es wieder einen Quant bergab geht mit unserem Land, mit unserem Planeten, denn gemäß den Gesetzmäßigkeiten der Schwarmintelligenz steigt die Fähigkeit Probleme lösen zu können umgekehrt proportional zur Anzahl der im Gleichstrom schwimmenden Fischlein exponentiell an. GnBK-pólis wird von daher in zwei losen aber dennoch konstant angelegten Reihen einmal den letzten Universalgelehrten Deutschlands (DLUD) sowie auf institutioneller Ebene den letzten Denkfabriken Deutschlands (DLDD) seine Ehrerbietung erweisen und damit hoffentlich einen Beitrag dazu leisten, dass man das Bashing jener Kreise, die sich seit Jahrtausenden um dieses Land, um diesen Planeten, um dieses Universum verdient gemacht haben, endlich mal in die Hände nimmt – und es entsorgt.

Teil 1 : Das RHI – Warum rechtlich fundierte Mythen niemals sterben werden

Wer etwas auf sich und die Welt hält, der investiert sein Geld in moderne Showrooms des Brainstormings, im Volksmund auch Institut genannt, und stellt so sicher, dass die elitären, weltverbessernden Ideen, Gedanken und Taten, die Bühne bekommen, derer sie bedürfen, um reifen zu können; wie ein Käse, der erst mit köstlichem Schimmel seinen wahren Geschmack entfalten kann. Hierbei sind solch dünkelhafte (Export-)Schlager wie das Erika-Steinbach-Gedächtnis-Institut (ESGI), das Arnulf-Baring-Abschreck-und-Senilitäts-Institut (ABASI) oder die Thilo-Sarrazin-Gen-Foundation (TSGF) entstanden, die seither das Gemeinwesen nachhaltig beeinflussen und verändern.

Und seit 10 Jahren wird die Welt auch durch das ehrfürchtige Roman-Herzog-Institut beglückt, welches vom Bundesprofilanten a.D. Prof. Dr. Dr. habil. h.c. Roman Herzog zu Schloss Verstandistan gegründet worden ist. Das Anliegen dieser Denkfabrik ist derart ehrenrührig, dass sich selbst vollkommen ahnungsloseste Zeitgenossen dazu breit schlagen lassen haben, hier ihren Sermon in hochwissenschaftlichen Schriften und Studien zum Besten zu geben. Da jedem Mitglied des RHI das Allgemeinwohl so sehr am Herzen liegt, dass selbst das Berühren einer offenen Flamme von zwei Metern Durchmesser nicht im Ansatz die Wärme und Philantrophie spiegeln könnte, die sie verinnerlicht haben und bereit sind zu teilen, versteht es sich von selbst, dass die Ergüsse der Experten kurz, präzise und rechtssicher sind. Mit dem Geschwafel so mancher Kollegen und Institutionen will man hier nichts zu tun haben, denn hier geht es schlicht um die ganz großen Themen unserer Zeit, beispielsweise um die Entzauberung von unsäglichen Mythen.  

A-t-t-e-n-z-i-o-n-e ! – Während die Gründungsmutter des Instituts noch beschaulich den Wunsch formulierte, dass ein Ruck durch Deutschland gehen müsste, fordert ihre Familie nun, dass man den Mythen an den Kragen gehen muss. Das ist schon recht starker Tobak, wenn man bedenkt, dass damit der religöse Kern Europas erodiert werden soll und diese Besserungsanstalt (Anm: Unklar bleibt an der Stelle, wer oder was gebessert werden soll…) sich damit dazu aufschwingt, den Kampf der Religionen herbeizuschwören. Dagegen wirken die kleinen Scharmützel, die man hierzulande mit der ein oder anderen nicht-christlichen Ausprägung selbiger hat, plötzlich wie Nebensächlichkeiten, die kein Schwein mehr interessieren dürften. Bahnbrechend ist in diesem Fülltext auch, dass es die Nihilisten des Instituts vermocht haben, die Entzauberung von sage und schreibe 5 (sic!) Mythen auf nur 22 Seiten akademisch so zu fundieren, dass man über jeden Zweifel erhaben ist und nun endlich die Standards für das avisierte Hardcore-Neoliberale Europa 2050 (HANEO 2050) gesetzt hat. Wärend die Kollegen vom DIW, die Wirtschaftsweisen, oder das Ifo-Institut um Welt-Koryphäe Hans-Werner von nicht mehr bei Sinnen, hierfür Pamphlete von 200-400 Seiten bemühen, von denen meistens ca. 800 Seiten schonungslos plagiiert worden sind, weil die doppeldeutigen Tautologien nicht mehr hergeben, verdichten die Teilzeitgenies des RHI die Materie derart hermeneutisch, dass die Chiffren jedes Celan-Gedichts plötzlich nur noch als lose Symboliken oder gar löchrige Metaphern erscheinen (können), so hoch ist die poetische Präzision der Entzauberungs-Analytik.

Besonderns angetan ist GnBK-pólis von der Entzauberungsmystik des 5. Mythos („Nur eine breite Mitteschicht fördert den sozialen Zusammenhalt“), den das RHI in bisher beispiellos neoliberaler Art und Weise entkräftet bzw. auflöst. Poetisch-akademisch verdichtet klingt das dann so:

Das (vermeintliche) Schrumpfen der Mittelschicht wird häufig in direkten Zusammenhang mit einer Spaltung der Gesellschaft und einem Zerfall des sozialen Zusammenhalts gebracht. Im Umkehrschluss käme der Mittelschicht eine einende Funktion für die Gesellschaft zu. Fraglich ist allerdings, ob die Mittelschicht tatsächlich eine moderne und komplexe Gesellschaft wie die unsrige zusammenhalten kann und wie wichtig damit eine große Mittelschicht ist.

Verschiedene Wissenschaftler befassten sich im Auftrag des Roman Herzog Instituts mit dem Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“, welche als eine wichtige Voraussetzung für den Zusammenhalt der Gesellschaft gilt (vgl. RHI, 2009). Von der Politik wird die Schaffung sozialer Gerechtigkeit verlangt, die sich realistischerweise jedoch nur durch eine Kombination von Solidarität und Freiheit umsetzen lässt. Je nach Gewichtung entstehen verschiedene Konzeptionen der Gerechtigkeit. Solidarität schafft eine Gerechtigkeit im Sinne von Verteilungsgleichheit und kann auf diese Weise ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft schaffen. Freiheit dagegen umfasst einerseits die „negative Freiheit“, also die Abwesenheit von Zwängen, welche das freie Handeln einschränken würden, und andererseits die „positive Freiheit“, die jedem die Möglichkeit bietet, seine Potenziale zu entwickeln, um so einen höheren sozialen Status anzustreben.

Um Solidarität und Freiheit – und damit auch soziale Gerechtigkeit – umsetzen zu können, muss der Staat entsprechende öffentliche Güter wie Bildung, Chancengleichheit, einen bestimmten Lebensstandard und Sicherheit für alle Schichten bereitstellen (Merkel, 2007). Die Finanzierung erfolgt über Steuereinnahmen, die jedoch die Freiheit der Steuerzahler, über ihr Geld frei zu verfügen, einschränken. Ist Chancengleichheit hergestellt, so sind verschiedene Leistungen auch unterschiedlich zu entlohnen. Vor diesem Hintergrund sind Einkommensunterschiede zu rechtfertigen und sogar anzustreben, solange sie auf Leistung basieren. Oft wird jedoch nach mehr Umverteilung und Solidarität verlangt, ohne zu bedenken, dass erst die Freiheit zum Aufstieg eine solidarische Umverteilung ermöglicht. Denn die Aufstiegschancen und Aufstiegsbestrebungen einer Gesellschaft schaffen Wohlstand und Güter, die erst danach umverteilt werden können. Somit kann die Freiheit als eine Voraussetzung für eine solidarische Gesellschaft verstanden werden.

Als eine Besonderhet dieser Expertise kann man verstehen, dass sie damit endlich das Märchen widerlegt, dass die Mittelschicht, die je nach (anderen) Instituten einen Anteil zwischen 40-60% der Gesamtbevölkerung ausmacht, einen Mehrwert für das Gemeinwesen hätte. Damit wird die exponierte Position des RHI mehr als salbungsvoll unterstrichen und das Wort elitär muss, so glaubt GnBK-pólis, ab sofort neu verortet werden, denn auf diesem Plateau war bisher keine Denkfabrik, die die Aufklärung jemals hervorgebracht hat. Wer sich traut, der kann versuchen, die „Information 9 – Mythen über die Mittelschicht“ gerne im Original nachzulesen. GnBK-pólis wollte sich zwar erst weigern, diesen extrem neoliberalen Hokuspokus zu adressieren, aber man sollte es wohl doch besser tun – der Aufklärung wegen! Man bilde sich hier (s)eine Meinung.

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Ein Kommentar zu „Die letzten Denkfabriken Deutschlands (DLDD) #1

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