freie Paronomasie *

Freie Freiheitsliebende, gebraucht ihrer in voller Glut!
Unfreie, die ihr sie nicht gebrauchen könnt, träumt vom Mut–
Den sie in euch frei setzt, wenn ihr an sie stets doch denkt
Ohne dass ihr dafür werdet mit Fesseln beschränkt.
Besetzer von Freiräumen, gebt ein wenig von dieser Freiheit ab!
Seid freilich dabei nicht freibeuterisch –
Betrachtet die Gebiete des Unfreien stattdessen als Wrack
Das es zu freien gilt – und freimütig glänzt sein Lack;
Der Freiheitssuchende anstrahlt, wie die Sonne das Meer –
Und befreiend die Weiten durchbohrt wie ein Speer.
Freie Freigänger, die ihr vielleicht gerade frei noch plaudert
Bekennt euch freiherrlich zum Freijahr – ohne dass ihr zaudert;
Denn freie Geister braucht freilich jedes freie Land –
Welches frei vom Mammon regiert wird an die Wand.
Es ist freier Wille, der all dies als Freikarte auf sich vereint –
Und in Freikirchen gepredigt wird – wie jeder es meint.
Drum lasst jetzt die Freiheit mal einfach beiseite –
Macht frei euch von ihr – in aller epischen Breite.
Denn Freiheit ist letztlich nur ein recht freies Wort –
Das inflationär verwendet – zerstört ihren Hort.
Ihr Freien, befreit die Unfreiheit dieser Welt –
Ihr Freien, befreit sie mit geprägtem Geld!
.
© arso

Infos zu diesem Freiheitsgruß:

Bullshit-Index:  0.13
( http://www.blablameter.de )
Angeblich verfasst im Schreibstil von:  Friedrich Nietzsche
( http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx)

*
Die Paronomasie ist eine nicht so häufig gebräuchliche, aber durchaus sehr wirkungsvolle, rhetorische Figur, die aus einem einzigen Wort und seiner semantischen sowie etymologischen -(eher nicht) dazugehörigen- „Brüder und Schwestern“ eine interessante Virtuosität oder Mystik im Sprachgebrauch erzeugen kann, sofern man vor keiner Verwandlung zurückschreckt und Spaß am Experimentellen hat!

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11 Kommentare zu „Freiheitsgruß als Frühlingsblues

  1. Da für die P. keine "festen" Regeln existieren, ist es natürlich schwierig, hier zu verorten, was mit gestalterisch gemeint sein soll, denn ein (konstruktiver) Verweis auf Inhalt-Form-Beziehungen mit entsprechender Fundierung fehlt ja leider :-) — Insofern: Hier haben 2 Menschen eine unterschiedliche (Formen)Vorstellung von einer P. Das ist, so darf ich abschließen, sehr schön; Pluralität ist notwendig.

  2. Jetzt möchte ich aber doch noch mal nachfragen:
    (…) "DIESER P. an sich"
    oder doch
    (…) "DER P. an sich"

    Das ist ja ein kleiner, nicht unfeiner Unterschied, denn erstere Lesart wäre konkret bezogen auf die hier publizierte und ließe den Horizont offen, dass man sie "verbessern" könnte, während letztere m.E. meinen würde, dass man die P. als rhetorische Figur nicht so mag, oder dass sie eben jemandes Nerv nicht träfe?

    Wenn ersteres gemeint wäre ist, dann kannst Du ja hier http://sehnsuchtswind.wordpress.com/2009/12/31/der-fraglich-gefragte-antwortet-mit-einer-gegenfrage/ mal noch eine andere Variante einsehen; ich bin immer für Tips und Anregungen (auch und gerade was Form/Inhalt betrifft) sehr dankbar…

    Letztlich ist es meine 5. oder 6. P. überhaupt, die ich schrieb; von denen ich aber nur 2 öffentlich zugänglich gemacht habe. Bei mehr als ca. 100 rhetorischen Figuren (die ich kenne) ist es aber auch sehr schwer, alle überhaupt umzuseten —

    Ich träume immer noch von einer Paronomasie die sarkastisch Stichomythie und Bouts-Rimés so zu verbinden mag, dass die erste Leseart vielleicht wie Nonsens wirkt, aber hinter einer Symbolik liegend eine weitere dann Tiefe spiegelt… Aber dafür habe ich bisher leider nur ein paar Fragmente in das Moleskin gekritzelt; nun ja, irgendwann klappt das schon mal…

    LG,
    arso

  3. Ich glaube, ich mag die P. an sich nicht. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mich wiederhole. Aber egal wie herum, es nimmt dir in keiner Weise die Möglichkeit dich zu verbessern. :-))
    Mit dem "Der fraglich Gefragte antwortet mit einer Gegenfrage" hatte ich mich schon mal andernorts beschäftigt und mir scheint die dort behandelte Theamtik besser geeignet für die Form einer P. Stellenweise gelang es diesem geschriebenen Konstrukt mich zu belustigen…
    Trotzdem. Es wird nicht das werden können was ich gerne und oft lesen möchte – glaube ich… :-)

    Sarkastischer (schneller) Wortwechsel aus dem Stehgreif gereimt, aber mit Endungsvorgabe, soll wie Unfug wirken und mit doppelter – nein, zweifacher Symbolik tiefsinnig sein? Thema Markenwahn? Habe ich das richtig verstanden?

    LG :-)

  4. Danke für das Feedback.

    Thema Markenwahn?
    Nö, so langweilig sollte es nicht werden –
    ich dachte eher an das größte Thema auf Erden: Bildungswahn.

    Ich teile nämlich die Propagierung der herrschenden Klassen, dass BILDUNG das (scheinbare) Allheilmittel für alles und jeden sein soll, nicht wirklich, sondern erachte BILDUNG in der Form, wie sie derzeit in D (und andernorts) gelehrt wird, für eher etwas Redundantes. Aber, das ist ein weites Feld…

    PS:
    Es werden sich doch unter Abermillionen Blogs welche finden lassen, die Du dann oft und gerne lesen magst. Kaum vorstellbar, dass Du bisher nicht fündig geworden bist. Ich sende Dir mal einfach etwas Glück für die Suche mit…

    Greetz,
    arso

  5. In der Diskussion um die äußere Form ging der Inhalt dieser o.g. P. unter
    und der ist doch das Wichtigste. Die äußere Form finde ich insofern wichtig,
    als dass sie den Inhalt klar und möglichst unmissverständlich wiedergeben sollte.
    Daher bin ich auch kein Freund von Ironie und Sarkasmus – Zynismus muss ich nicht erwähnen.

    Heute gefällt mir der „Freiheitsgruß“ bereits besser. Es hat seine Albernheit verloren,
    die mich gestern noch zu stören schien. Mal sehen wie es morgen auf mich wirkt… :-)

    Sicher gibt es Millionen Blogs. Einige davon lese ich, manche regelmäßig, einige hin und wieder, andere ein Mal und nie wieder. Allerdings suche ich nicht, ich beschäftige mich mit dem, was mir über den Weg läuft sozusagen, was mir der Wind herüber weht, was die Wellen des Lebens an mein Ufer spülen… Ok., reicht. :-))

    Wenn dein letzter Satz aber ein Wink mit dem Zaunpfahl sein soll und du lieber in Zukunft auf meine Kommentare verzichten möchtest, werde ich das auf jeden Fall respektieren und dich nicht mehr belästigen.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass Bildung das größte Thema auf Erden ist. Ansonsten kann ich deiner allgemeinen Formulierung zum Thema durchaus zustimmen. Im Speziellen dürfte es aber garantiert zu Differenzen kommen… :-)

    LG s.

    PS: Mein Beitrag von 17:25 Uhr hätte doch Absätze verdient, oder?

  6. Grundsätzlich sehe ich es auch so, dass Inhalt und Form durchaus eine Einheit bilden sollten bzw. dass die Form den Inhalt „konturieren“, „akzentuieren“ etc. sollte. Da die P. ja aber eben -qua status- ihres „Seins“ sehr frei ist, ist die Korrelation ja m.E. zur Thematik eigentlich sehr gut gegeben; insofern war meine Wahl des Stilmittels hier bewusst.

    Verständlich, Deine Meinung, was I. und S. betrifft; akademisch lässt sich das sehr gut belegen, dass sowohl I. als auch S. ehebliches (missverständliches, verzerrendes [hier im Sinne von semantisch negativ brechend]) Potential haben… Gibt’s ein schönes Buch zu: „I. in der Alltagssprache – Gesprächsanalytische Untersuchungen“. Dennoch halte ich es hier eher mit meinem großem Vorbild Tucholsky. Ich brauche beide als Schutz, um so manches (im Leben) ertragen zu können. Aber ja, beim Z. ist wohl die Grenze. Ich meide ihn weitestgehend, finde aber, dass auch er „wirken“ kann; Georg Schramm ist ein, wie ich finde, gutes Beispiel, dass man den Z. durchaus verwenden kann. Er sagt aber auch, dass nicht er dann zynisch sei, sondern dass die Welt mit ihren Lebensumständen es oftmals ist.

    Leicht erstaunt war ich aber, zu lesen, dass man den „Freiheitsgruß“ auch als albern lesen kann. Diese Intention war mir beim Verfassen dann doch gar nicht zugegen – eher im Gegenteil: ich verorte sie, die P. eher im Ernsteren. Aber dennoch spannend, wie unterschiedlich man rezipiert.

    Oh, nein, den letzten Satz hast Du dann aber wohl doch missverstanden; er meint einfach das, was dort expressis steht, also meine Hoffnung für Dich, dass Du mehr von dem findest, was Du gern und oft lesen möchtest (das hattest Du ja expressis verbis so geschrieben.) Ich freue mich sehr über Feedback von Dir. Bei mir ist abgespeichert, dass da jemand ist, der bei mir schon eine Art Spur hinterlassen hast; dass ich Deine (fotographischen) Blicke auf Menschen und Umwelt mehr als schätze, bedarf da wohl keiner Erwähnung mehr….

    Auch wenn grundsätzlich mein Verweis auf BILDUNG (als „wichtigstes“ Thema) natürlich eine ironische Brechnung ist, so bin ich aber sehr wohl real und ironiefrei der Auffassung, dass die Bildung, die man heutzutage in den Lehrwerkstätten der modernen Aufklärung genießen darf, nicht (mehr) die ist, die wirklich etwas bringt. Aber mit dieser Meinung stehe ich ja keineswegs allein da. Ist aber, wie erwähnt, ein großes Thema.

    Wo keine Differenzen zwischen Menschen wären, da ist kein Platz für eine Gesprächskultur – ich mag D. ebenso wie mögliche Gemeinsamkeiten. OK, die G. vielelicht eine Nuance mehr ;-) Ich bin hier dann doch ganz klassisch und schlicht der Philosophie (zart, aber verinnerlicht) verbunden: Neugier und Skepsis gehören zusammen wie Differenzen und Gemeinsamkeiten.

    Die Absätze (im Kommentar) habe ich wieder eingefügt. Der Umzug zu WordPress hat ja halbwegs geklappt auch wenn ich etwas traurig bin, dass man design-technisch nahezu nichts wirklich ändern kann, weil man weder CSS noch (dynamisches) HTML kostenfrei benutzen kann. Das schränkt natürlich ein aber nun ja, ich kann aber so wohl in Kürze schon fast Abschied von Google nehmen. Außer von dessen Suchmaschine natürlich; ohne wird es etwas umständlich, Dinge schnell zu finden. Nun ja, letztlich gilt auch hier: Skepsis und Neugier; wobei hier meine S. überwiegt. Aber verteufeln tue ich Google nun gewiss auch nicht; auch ich nutze YouTube…

    Herzliche Ostergrüße in die Hauptstadt,
    S.

  7. So ist an dieser Stelle und vorerst alles gesagt… :)
    Achso, und herzlich Willkommen hier. Vielleicht wird ja manches dadurch erleichtert oder auch erschwert. Für mich ist es gleich auf welcher Platt-Form, Hauptsache die Inhalte bewegen (was)… Mir war die andere auch recht solange die Inhalte bei mir ankamen. Allerdings muss man die (teilweise) Einbuße der Gestaltungsfreiheit schon als eine einschneidende Einschränkung betrachten. Andererseits zwingt es mich dazu, hier nur die im Rahmen nötigsten Ernergien in Form von Zeit und Aufwand zu verschwenden, mich auf’s Wesentliche zu konzentrieren und mal auf (evtl.) Schnickschnack oder (subjektive) Perfektion zu verzichten.
    Es ist eine gute, und ich glaube, notwendige Übung – jedenfalls für mich… :)

    LG s.

    1. Ja, es ist (fast) ;-) alles gesagt. Nur diese Erwiderung noch:

      Für mich ist es nicht gleich, auf welcher Plattform ich mich bewege; meine ethischen Ansprüche (an mich selbst) sind schon recht hoch und so lehne ich vieles (durchaus nach Phasen der „Erprobung“) dann eher ab. Ich formuliere es mal (bewusst) drastisch: Einem Unternehmen, das z.B. seine Produkte mit zweifelhaften Methoden der Herstellung generiert, gewähre ich auch kein Vertrauen oder erwerbe/nutze diese dann. Da mache ich bei den digitalen Ablegern auch kaum Ausnahmen. Aber genug dazu.

      Ja, die Einschränkungen der Form sind für mich schon nicht unwichtig. Aber: D’accord zu Deinen Ausführungen, was die Reduktion auf das Wesentliche im Sinne der nötigsten Energien betrifft. Und dem Schnickschnack bin ich dann wohl doch eher abgeneigt; ich „weigere“ mich ja nicht ganz grundlos (relativ) beharrlich, endlose Verlinkungen und visuelle „Effekte“ zu verwenden. Eine pragmatische Nüchternheit ist mir da schon lieber; wenngleich diese doch auch visuell konturiert sein soll(te). Aber ich habe ja das Glück, dass ich eher textbasiert werkeln kann, so dass (visuelle) Medien meist nachranging sind.

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