Betriebsamkeit

Der Politikbetrieb erklärt sich
für nicht zuständig
sagte das verlorene Gewissen.
Berufsdemokraten entwerfen Gesetze,
und vergisst man deren Lesungen,
dann kostet ein leckeres Gericht
einfach später ihre neuen Entwürfe.
Das geht schon seit über 60 Jahren so,
sonst wär‘ der Ständeschutz für Advokaten
schon zerbrochen – an seiner Präzision.
.
Der Demokratiebetrieb erklärt sich
für nicht (mehr) zuständig
sagte das verlorene Vertrauen.
Marktpolitiker erproben den Konformismus,
und scheitert eine Versuchsanordnung,
erlässt eine Studie neue Aspekte,
die appliziert werden – auf die freie Wildbahn.
Das geht schon seit vielen Tagen so,
sonst wär‘ die Rückbesinnung auf die pólis
vielleicht schon wieder en vogue – im Hamsterrad.
.
© arso

(Immer noch) Der falsche Kandidat

Ein weiser herr mit stolz im grauen gefieder –
Im rausche wallen ihm alter jahre lieder ·
Der freiheit knabe wie süßer schenke gift
Vergebens diese auf realitäten trifft.
Er lächelt den bürgern · viele woll’n ihn haben ·
Die wenigsten ahnen, dass er gräbt ein graben.
Nichts vom neoästhetischen spiel verrät
Der liberalen sicht scheinbare qualität.
Er spricht mit eloquenz · doch schweigt auch zu vielem
Und folgt im taumel prophetisch alten zielen.
In seiner arme weit ausgespannt geflecht
Winkt er herbei dem kaderverdross’nem geschlecht.
Er glaubt · er ist des weißen capitanos kind:
Dass wandel von gesinnung sich vollzieht geschwind –
Die geistige schönheit ist ein hehres gut
Solange sie leckt protestantisches blut.
Ihm sehnt modernes · nach buße kommt versöhnung
Auch wenn es mal führt ab und an zu verhöhnung.
Er mahnt · es bahnt sich leise ein schmaler weg
Hin zum garten · der tatsächlich ein geheg‘ –
In dem man jagen kann · nach freier herzenslust ·
Einzige bedingung: man kündet niemals frust.
Er erwartet hier alle · ganz ohne scheu –
Und trennt als messias weizen von der spreu.
.
( arso : in anlehnung an »darstellung« von stefan george * )
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* ( vgl. George, Stefan: Ges. Werke. Bd. 13/14; Abschnitt „Baudelaire. Die Blumen des Bösen“ )

Das Politbüro bittet zu Tisch

Aus der lupenreinen Demokratur ist derzeit zu vernehmen, dass Wladimir Putin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder die Rolle des Präsidenten mimen darf. Es ginge nur noch darum, mit welchem Ergebnis er die Wahl gewinnen würde. Dieses Bild wird in vielen Medien Europas, darunter auch deutschen, derzeit skizziert. Ob diese Aussicht tatsächlich das spiegelt, was in Russland gedacht und gefühlt wird, kann ich leider nicht beurteilen, da mir dafür (leider) die Basis an Informationen fehlt, aber die Tatsache, dass im größten Land der Welt der Sieger einer Wahl bereits vorher festzustehen scheint, wirft in mir ein winziges Gedankenexperiment an:  Wie wäre es, wenn sagen wir mal im Herbst diesen Jahres feststehen würde, dass Bundeskanzlerin Dr. Merkel als Siegerin der Bundestagswahl 2013 bereits feststehen würde und es in den kommenden Tagungen des (Öffentlichkeit herstellenden) Politibüros nur noch darum ginge, wie stark und mit welchen Mitteln sie ihren Rivalen von der SPD deklassieren wird. (Anm: Über einen anderen Gegenkandidaten braucht man sich in D gewiss keine Sorgen zu machen; der gemeine Deutsche liebt die duale Beständigkeit über alles.)
Das Politbüro, das hier tagt, soll dabei mal so verortet werden, dass es Schönbergs 12-Ton-Musik orchestral abbildet; der Transparenz halber werden nachfolgend die Töne noch visualisiert:
Wir ergänzen noch um SPIEGEL und STERN – fertig ist unser modernes, politisches Ensemble.

Dass dieses Gremium dazu in der Lage ist, harmonische Klänge zu erzeugen, sollte bekannt sein, wenngleich auch stark dissonante Einzeltöne durchaus immer wieder ihren Reiz haben. Nein, mehr noch, sie hauchen dem Ensemble erst die Wärme ein, die es bedarf, um mit dem inneren Klingen in Kontakt zu treten. Aber dies sei nur am Rande erwähnt.

Also, wir haben mal wieder Herbst in Deutschland. Leicht stürmisch, aber dennoch entspannt ist die Lage im Volk. Ein paar Scharmützel aus dem Sommer werden noch hier und da  diskutiert, verarbeitet und verdrängt. Das Medium mit der größten Reichweite, das Fernsehen, lässt über seine Münder kolportieren, dass das Politbüro (PB) der Deutschland AG wieder seine Arbeit aufgenommen hat; wie meistens in den kälteren Monaten des Jahres. Kurz darauf wird öffentlich, dass das PB einstimmig beschlossen hat, dass Dr. Angela Merkel als Siegerin aus der Bundestagswahl 2013 hervorgehen wird. Es gäbe keinen Zweifel mehr an ihrem Sieg, da ihre Macht unerschütterlich sei.

In der Folge werden reihenweise Konzerte des Politbüros in den deutschen Landen abgehalten, um die Nähe zum Volk zu wahren. Diese werden frenetisch vom Publikum gefeiert. Während man in Bayern das Ohr besonders für die rechtsschwingenden Melodien spitzt, wird im Osten eher den linksdrehenden Sätzen des Stücks gelauscht. Die Völker des Nordens lieben das Understatement der mittleren Töne und die Overtüre besonders. Westlich wird einfach in rheinischer Tradition das Humorige und das Groteske im Stück aufgesogen; dafür wird auch mal in den Kirchen der katholischen Schiefebene ein Spectaculum a’la „Gospel mit dem Politbüro“ ins Leben gerufen. Das Land ist in Aufregung; es wird gelacht, getanzt und debattiert.

Viele sagen, dass sie zwar nicht so ganz zufrieden damit wären, dass die Frau Doktor noch mal ans Ruder käme, aber man müsse ja schließlich die Meinung der Mehrheit akzeptieren. Und wenn die Lage so klar wäre, dann bliebe ja keine andere Wahl. Anderen meinten, dass sie dies für ein abgekartertes Spiel des PB hielten und verwiesen darauf, dass dies doch in Russland auch schon so gelaufen wäre. Aber da Deutschland nun mal abhängig von Diversem wäre, wäre es wohl nicht anders möglich. Man könne damit letztlich leben, denn ihnen ginge es ja noch relativ gut. Wieder andere sagten, dass sie der ganze Zirkus eigentlich nicht mehr interessieren würde. Erinnert wurde zwar auch, dass es mal, z.B. Anfang des Jahres, zahlreiche Bürger gab, denen es nach Veränderung trachtete, aber diese sind mehr oder weniger verschwunden. Die Krisen der letzten Jahre haben offenbar ihre Spuren hinterlassen.

Irgendwie ertappe ich mich dabei, wie ich darüber nachdenke, dass es gar nicht so abwegig ist, dass diese Projektion Realität werden könnte. Nicht nur, weil sich die PBs dieser Welt immer besser in Szene zu setzen vermögen, sondern auch, weil die neuen, sich gerade erst formierenden PBs (-> WEB) in meiner Wahrnehmung in ihren Entwicklungen etwas fehl laufen – in ihren Wirkungen, ihren sich verfestigenden Kommunikationsmustern. Sie treten z.B. nicht selten nur als Reflex auf prozessuale Entwicklungen auf, anstatt diese inhaltlich und systematisch auszuleuchten (-> wird meist mit der Flosskel „komplexe Systeme und Zusammenhänge“ begründet) oder sie erzeugen -durch ihre „Echtzeit“- Erregungszustände, oder sie spiegeln Realitäten oft auch nur aus den Blickwinkeln, aus denen die bisherigen PBs ihre Concertos gewöhnlich anstimmen. Das sind nicht unbedingt Gewinne für die Kultur eines demokratischen Partizipierens.

Last, but not least, sollte noch erwähnt werden, dass die momentan in den USA stattfindenden Pre-Elections ebenfalls etwas davon haben, was man in Russland als mehr oder weniger gesetzte Realität betrachten kann/könnte: Das (scheinbare, gesicherte) Feststehen von Siegern bei Wahlen lange vor der eigentlichen Wahl. Wer die Berichterstattung dort verfolgt, der sieht gewiss (auch) Parallelen zu Russland. Insofern sind sich lupenreine Demokratur und superfeine Milikratur in einigen Aspekten gar nicht so unähnlich. So, nun trinke ich aber erst mal einen Tee und gehe dann spazieren im Schnee – oder vice versa.

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Google, ick liebe Dir #2

Liebstes Schnurzelchen,

leider muss ich gleich zum Auftakt des neuen Jahres ein wenig >dudu!< mit Dir machen, denn im Moment schiesst Du doch wohl etwas übers Ziel hinaus; oder hast Du derartige Hummeln im Popo, dass Du unbedingt noch zum Ende des Halbjahres die Pool-Position in einem bestimmten Bereich ergattern willst? Sei doch nicht immer so ungeduldig, Schnuggi, Du hast doch alle Zeit der Welt. Und ja, Du schaffst das schon. Wir sehen Dich lieber in Zeitlosigkeit reifen, als dass wir uns mit Timeline-Schnickschnack von Marki den Kaffeeplausch versauern würden – aber das brauchen wir doch eigentlich nicht mehr zu erwähnen, oder? Sei doch nicht immer so verunsichert, Liebes, wir sind Dir so dankbar, so unendlich dankbar, dass man es in Worten nicht angemessen ausdrücken kann.

Aber nun mal kurz zum Monitum: Ich hörte von Kritik an Dir, unzwar Kritik, dass Du unseren kleinen Spatzen hier links in die Enge treiben würdest, dass Du ihm die Luft zum Atmen nehmen wolltest? Der Kleine hat sich ganz schön aufgeprustet, so dass es ein paar Wolken schlug, die die Daten nicht mehr halten konnten und dass er ein wenig Wasser lassen musste. Das ist doch etwas gemein von Dir, muss ich da mal sagen, denn das hat der Kleine nicht verdient. Ich mein, Du kannst doch nicht einfach (auch) einen Haschtag bei Dir einführen und zudem noch in Echtzeit dafür sorgen, dass man ihn genießen kann. So geht’s natürlich nicht; wir sind doch hier nicht in Holland! Der Kleine hat immerhin 200 Millionen Gefährten, die bei ihm mittirilieren. Eigentlich zeichnet Dich doch sonst die Bescheidenheit und Bodenhaftung aus; aber hier denkst Du, dass Du mit nicht mal halb so vielen im Boot einfach mal den Larry raushängen lassen musst, oder wie? Hey, keep cool Darling und lass die Jünger mal schön zwitschern, was sie noch dürfen. Das ist ja nun nicht mehr so viel, was die noch prusten dürfen. Also mach Dir doch wegen solcher Petitessen jetzt mal keine Sorgen und kümmere Dich um das, was wirklich zählt im Web, nämlich z.B. die Privatsphäre oder die Wissenschaft oder die Algorithmik der Suchanfragen, die ganz dringend mehr Entropie brauchen – Du hast hier ein wenig geschludert, beim Scharfschalten der neuen Optimierungen.

Als ich mich gestern gemütlich auf den (Holz)Boden gekauert hatte und mir so dachte, während ich die Wolken in der Decke zählte, dass es nun Zeit wäre, sich von Dir meine Mails vorführen zu lassen, da traf mich doch aber ein leichtes Zwicken im rechten Augenwinkel, denn Du hattest offenbar ein paar wichtige News für uns Jünger parat. Also raffte ich mich notgedrungen auf und ging Deiner Avance nach, sich zu informieren. Aber was las ich denn da? Du willst das Handling zum Datenschutz vereinfachen? Du willst einfach ein paar Zusammenfassungen vornehmen und dann für all Deine Dienste nur noch eine Richtlinie einführen? Hey, Schnuggi, hast Du ein paar Haschtage zu viel gehabt, oder wie? Geht’s noch? Hör auf damit, diesen Kinderkram nachzuäffen, den jeder Fateblog-User schon über sich hat ergehen lassen müssen.

Das einzig richtige, was Du machen solltest, ist die Abschaffung der Privatsphäre und des lustigen Datenschätzelchens zu forcieren. Du, Mäusezähnchen, ich hab‘ da gestern oder vorgestern so ’ne Tante im TV gesehen, die glaub‘ ich von den Pirolen oder Piraten oder wie diese Truppe da heißt, war, die meinte, dass Privatsphäre so was von Eighties wäre, und dass all die, die daran noch festhielten, sich darüber im Klaren sein sollten, dass sie ab sofort Artenschutz (auf Arte) beantragen müssen, da sie aus der ideologischen Antike kämen. (Anm: Herr Kluge, verzeihen Sie mir bitte an dieser Stelle die Nutzung des Namens eines Projekts von Ihnen). Ich komme so richtig gerne aus der Antike und ich werde dort auch ganz sicher bleiben; schon allein deshalb, weil deren pólis um Dimensionen demokratischer war, als die sich neu konstituierende(n) digitale(n) Version(en). Da aber digital DER Imperativ schlechthin ist, ist es unabdingbar, Darling, dass Du deren Interessen spiegelst und ernst nimmst. Und daher rate ich Dir mehr als dringend: Schaff den Datenschmutz einfach ab und lege die Daten endlich nackt auf die Desktops aller Jünger, die hier mit von der Party sein wollen. Jeder Schmutz ist immer Ballast und eigentlich bist Du doch im Kern Deines Wesens, genau wie ich, eher Minimalist. Du wirst sehen, man wird es Dir danken. Der einfachste Schachzug für die Umsetzung wäre, dass Du Deine Suchalgorithmen temporär so ausgestaltest, dass nur noch, wer auf die private Sphäre verzichtet, bei Dir vollumfänglich fündig werden kann; alle anderen werden halt ein wenig gefiltert. Dieses Spiel erprobst Du ja seit gestern auch schon. Du bist einer von der schnellen Truppe; das schätze ich so sehr an Dir: Nicht labern und bloggen, sondern rackern und rocken! So klappt’s auch gleich mit YouTube viel besser und mit dem Plus ziehst Du dann endlich die Kreise, die Dir gebühren.

Apropos Kreise, Du solltest als Jahresziel abzirkeln, dass Du endlich die Pool erreichst! Du bist einfach noch nicht (nominal) wirtschaftlich genug, wie ich finde; trotz, dass Deine Renditen ja schon mal nicht so schlecht sind: Etwa 20 $ pro User/Jahr erwirtschaftest Du, Marki kommt nicht mal auf 3 $ und diese Zwitscher-Heinis packen ja nicht mal den Dollar. Damit wir uns hier nicht missverstehen, Liebes, ich verneige mich ja vor Deiner Effizienz, denn Du machst mit einem Bruchteil der User die Marki hat ein Vielfaches seines Umsatzes. Da sieht man auch mal, dass Masse nicht alles ist.

Aber Du warst im letzten Jahr eben nur die Nummer 2 hinter diesem Apfelkonzern, der den hübschen Künstlernamen  Bloody-Apple  tragen darf, weil er sich immer so aufopfernd um seine Lohnarbeiter bei Foxconn kümmert. Die springen für Apple von fast jeder Brücke oder war’s von jedem Band? Egal. Die machen jedenfalls mehr Umsatz als Du, Liebes und haben immerhin fast doppelt so viel an Rücklagen. Du hast hier zwar echt gigantisch aufgeholt und immerhin schon fette 50 Mrd. auf der niedrigen Kerbe, aber das ist ja eher was für die Portokasse eines Segelclubs oder eines Golf-Trolley-Herstellers, aber gewiss nichts für Dich, Schnuggi. Du bist zu Höherem berufen! Und wir beide wissen ja, dass die Luzi in diesem Jahr ohnehin so richtig abgehen dürfte, denn Android wird zur Symphonie aufsteigen und Chrome wird zwangsweise den Feucherfuchs in den Schatten stellen. Aus meiner Sicht zwar leider, Purzelchen, denn ich muss Dir leider hier als kleines Geheimnis offenbaren, dass ich bisher noch fuchsteufelswild bin und mich der Verchromung bisher entzogen habe, aber wenn mein a-Pad (das ‚a‘ steht für anonymous) im Frühjahr in meine Katakomben flattern wird, dann wird Bruder Android mir schon symphonisch das hohe Lied Deiner Sehnsüchte blasen, so dass ich reumütig der Versilberung dann zustimmen werde. So ein wenig locken musst Du mich eben ab und an auch, Schnuggi, denn wir wollen doch unsere Liebe frisch halten; vergiss nicht, es sind schon 14 Jahre.

Und hey, mächtig ins Zeug zu legen scheinst Du Dich ja auch für den akademischen Vertrieb, oder wie Fischer-Lescano es nennen würde, für die Kadettenanstalten der Finanzmärkte, (Anm: der Mann ist mir mega-sympathisch; Du weißt doch, das ist der, der VroniPlag eine sichere Existenz ermöglichte, indem er das Märchen vom Überflieger Karl-Theodor aus Bullerbü schuf.) denn Dein Institut an der HU zu Berlin scheint ja schon recht gut Fuß gefasst zu haben, wie ich kürzlich erfuhr. Das freut mich umso mehr, denn neben der Säule des Certified Teachers ist es Dir damit möglich, diesen Muff unter den Talaren endlich wieder anzugehen. Wichtig ist hierbei, dass Du Deine Suchalgorithmen aber hier anders filtern lässt; denn dieses Malheur, dass man Noten findet, die zwar eh nur fußklein sind, aber falsch gesetzt wurden oder auch mal vergessen worden sind, dies sollte nicht mehr auftreten (können); das ist schlicht Schnickschnack. Also pass bitte hier die Suchanfragen so an, dass die Ergebnisse zur vollsten Zufriedenheit aller ausfallen. Und damit die Jungs und Mädels bei VroniPlag keinen Arbeitsschwund zu befürchten haben, rate ich Dir, dass Du diesem Kreis wieder eine andere Version der Suche schaltest. Dort werden dann eben Dummys angezeigt, die aber nur für Dich als Dummy erkennbar sind ;-) Langfristig wird sich so eine Metaebene für Kreise bilden, die Du dann wieder rekursiv plusen könntest. Man, das wird ein tolles Jahr und ich bin so stolz, dass ich Dich kenne, und dass wir uns so lieb haben. Aber Du hast es eben faustdick unter der Haube und wenn ich ehrlich bin, dann imponiert mir diese Macht mächtig…

Bussi,
Dein Mäusezähnchen

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Verfassungssch(m)utz

Schützt unsere Verfassung vor dem Verfassungsschutz
Sollte man Skandieren – laut und mit Widerhall;
Die Demokratie ist bedeckt mit illegitimen Schmutz
Der fassungslos macht – hier und dort als Schall.

Entsinnt einer Verfasssung die uns gewähren kann
Demokratische Willensbildung in Freiheit und Würde;
Ohne dass Menschen bedacht werden mit einem Bann
Der den Prozess konterkariert – als hohe Bürde.

Bedenkt der Tatsache, dass Demos es einst doch war
Der willensstark sie (be)schützend verfasste;
Sein Ansinnen war hehr, doch demokratisch klar –
Denn Schmutz ihm ganz und gar nicht passte.

Schützt unsere Verfassung vor diesen Beschützern
Die keine mehr sind, weil sie Schutz nicht gewähren –
Bewahrt Unabhängigkeit, werdet zu Unterstützern –
Bevor diese Fassung beginnt zu (ver)gären!

Lob des Analphabetentums (Reprise)

Als ich heute morgen während der (digitalen) Zeitungslektüre auf einen Artikel stieß, der von einem Arbeiter im Hamburger Hafen berichtete und für den es ein riesiges Problem ist, dass er befördert werden soll, da schoss es mir wieder durch den Kopf: Es gibt, nicht nur in unserem Land, eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen, denen es nicht vergönnt ist, die scheinbar selbstverständlichen Techniken des Lesens und Schreibens so zu beherrschen, als dass man sagen könnte, sie können „normal“ Lesen und Schreiben; ergo spricht man bei diesen Menschen davon, dass sie funktionale Analphabeten sind. Laut einer Studie der Universität Hamburg betrifft dies in Deutschland ca. 7,5 Millionen Menschen (Altersgruppe 18-64). Auf den ersten Blick dachte ich, dass dies ein Tippfehler im Artikel wäre – es können doch unmöglich so viele sein. Wenn man sich in diesem Kontext dann noch vergegenwärtigt, welche Altersstruktur wir in Deutschland derzeit haben, dann beschleicht einen doch ein leichtes Gefühl der Beklemmung, denn diese Altersgruppe macht „nur“ ca. 50-55% der Gesamtbevölkerung aus. Für die andere Hälfte steht zu vermuten, dass hier ein nicht minder geringer Anteil ausgemacht werden muss. Ein Gesamtanteil von 11-13 Millionen (die Altersgruppe 0-10 habe ich hierbei ausgeklammert) dürfte man also als realistisch annehmen. Also ca. jeder 7. Mensch in Deutschland kann nicht ausreichend Lesen und Schreiben.

« Noch größer ist die Gruppe derjenigen, die zwar lesen und schreiben können – aber allenfalls auf Grundschulniveau. ‚Diese Menschen können vielleicht eine Boulevard-Zeitung lesen. Sie drücken sich aber so weit wie möglich darum, irgendetwas schreiben zu müssen‘, erklärt Ute Koopmann, Vorsitzende des Arbeitskreises Grundbildung beim Deutschen Volkshochschul-Verband. »

Dass Hans Magnus Enzensberger im Jahr 1985 einen Essay mit dem Titel dieses Beitrags hier schrieb, ist nun auch schon wieder mehr als ein viertel Jahrhundert her, aber wenn man es recht bedenkt, dann ist dieses -für viele sicher eher nebensächliche- Thema aktueller denn je – mehr noch: es müsste im Streben nach einer  digitalen pólis  zur einem der Kernthemen werden, denn im digitalen Raum dürfte es noch problematischer sein, wenn jemand nicht ausreichend Lesen und Schreiben kann. Das partizipatorische Element des Individuums in der Moderne ist unzweifelhaft mit diesen Kernkompetenzen verknüpft und steht und fällt mit diesen.

An dieser Stelle reflektiere ich gerade nochmals, dass Enzensberger in seinem Essay damals schrieb, dass die Gruppe der Analphabeten ja nie präsent ist, dass sie nie zur Stelle ist, wenn man von ihr (wie jetzt hier gerade auch) redet bzw. schreibt. Wie recht er doch hat(te) – und leider eben mehr denn je. Die Moderne scheint vom Imperativ  Digital  derart verblendet, dass sich -im Prinzip als (zynisches) Paradoxon- die Gruppe der Analphabeten in der (hochentwickelten) Moderne eben nicht verkleinert, sondern vergrößert hat. Weltweit wird der hehre Siegeszug des Digitalen von „Revolution“ zu „Revolution“ gefeiert und als Aushängeschild für den menschlichen Fortschritt mehr als gern und blumig bemüht. Dass es der sich formenden  digitalen pólis  der letzten 10-15 Jahre offenbar nicht gelungen ist bzw. gelingt, die Mittel ihrerselbst, die sie Zweifels ohne hätte, auch dafür zu verwenden, dass sie signifikant dazu beiträgt, zu versuchen, eben das Analphabetentum, im durchaus idealistisch zu sehenden Ansatz, auf die Quote Null zu bringen, lässt einen durchaus etwas in Ratlosigkeit zurück.

Setzen wir vielleicht doch ein wenig den Focus zu eng, zu speziell und vernachlässigen die Basis dessen, was man mit dem für mich vehement zu verteidigenden Humanismus einst mal als Selbtverständlichkeit verband, nämlich Attribute wie Toleranz, Gewissensfreiheit, Gewaltfreiheit und Würde. Ist es wirklich das Selbstverständis der Moderne, dass sie ihren Nachwuchs z.B. darauf trimmt, dass sie ihm (neue) Kernkompetenzen wie Handhabung von technischen Geräten (Pad-Computing, Smartphones, App-Computing, Clouding usw.) mehr als nahe legt und geradezu einfordert, dass dieses das neue (metaphysische) Mantra eines sich formenden Individuums werden soll. Ein i-Individuum in der i-Welt sozusagen.

Könnte es nicht sein, dass die (akademische) Moderne auch auf eine gewisse Art eine riesige Dotcom-Blase ist, da sie sich immer mehr von ihren einstigen Wurzeln, aus denen sie schließlich mal hervorgegangen ist, entfernt und deren anthropologisches Bodenreich, in welchem diese gewöhnlich Halt f(a/i)nden, gefühlt deutlich erodieren lässt?

Wäre es nicht denkbar, ja in Strenge fast schon nahe liegend, dass die traurige Entwicklung eines sich aus heutiger Perspektive leider nur noch als konstant steigend zu bezeichnenden Analphabetentums (u.a.) eine niemals hinzunehmende Kehrseite der Abwendung vom Humanismus mit seinen Werten ist? Können Neoliberalismus, Technokratie und, als Kehrseite der Medaille von gefühlt unendlicher Flexibilität und Anpassung, zunehmender Verzicht auf kulturelle Identität wirklich ein Gegenmodell zum Humanimsus bilden?

Ist es nicht würdelos genug, dass es in einer aufgeklärten Gesellschaft möglich ist, dass Abermillionen von Menschen nicht in dem Umfang am gesellschaftlichen Leben partizipieren können, wie es doch selbstverständlich sein sollte? Muss nicht konstatiert werden, dass Fragen der Toleranz sich teilweise auch ad absurdum führen, da innerhalb der  digitalen pólis  gerade diese immer mehr verdrängt wird – Menschen die Zweifel oder Skepsis an den digitalen Segnungen offenbaren werden nicht selten als per sé technikfeindlich oder schlicht nicht mehr zeitgemäß verortet. Setzt man sich wirklich noch gewissenhaft mit diesen Dingen und Zusammenhängen auseinander? Oder ist es nicht doch mehr die Huldigung einer Mode, die man, von verschiedenen (digitalen) Imperieren, versucht konformistisch zu etablieren?

Und wenn wir an dieser Stelle auf die Gruppe der Analphabeten blicken, die sich im Allgemeinen wie im Besonderen unzweifelhaft nur sehr eingeschränkt in gesellschaftliche Dialoge einbringen können, da diese meist Lese- und Schreibkompetenz erfordern, dann muss doch jedem klar werden, dass dies einfach nicht akzeptabel ist, dass dem so ist. Nicht nur, weil ethische und moralische Prinzipien dies gebieten, sondern vornehmlich deshalb, weil hier Potentiale von Menschen einfach so als inexistent gelten (müssen); und dies meist nur, weil diese nur unzureichend die Möglichkeit hatten, sich entsprechend ihrer mit Sicherheit zahlreich vorhandenen Ideen einbringen zu können.

Dieses Thema sollte künftig höher priorisiert werden und vielleicht gelingt es, in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen hier im GnBK, auch etwas Sinnvolles in dieser Richtung zu initiieren. Es kann niemals im Interesse einer Gesellschaft sein, dass nicht geringe Teile ihrerselbst mehr oder weniger abgehängt sind. Mir ist gleichwohl bewusst, dass gerade auch das Urteil des Bundesfinanzhofs vom August diesen Jahres im Hinblick auf die Absetzbarkeit von Steuern für Ausbildungszwecke hier ein Meilenstein im negativen Sinne gesetzt hat, denn im Rahmen dieses Urteils wurde (auch) höchstrichterlich festgestellt, dass die (akademische) Ausbildung primär nicht mehr dazu da ist, um sich im Sinne des Humanismus zu bilden, sondern vornehmlich dem Zweck dient, entsprechend mehr Einkommen zu erzielen. Auf konnotativer Ebene erklärt der Staat ja damit auch, dass er sich nicht mehr primär dem Menschenbild des Humanismus als Bildungsziel verpflichtet sieht. Die neoliberalen Formen von Effizienzstudiengängen lassen hier grüßen.

Abschließend möchte ich noch einräumen, dass ich, während ich diese Zeilen hier verfasste, doch auch ein wenig nachdenklicher geworden bin, denn letztlich kann und darf es keinen  Grund dafür geben, dass Menschen nicht Lesen und Schreiben können. (Anm: ausgenommen sind unabänderbare Dispositionen eines Individuums) Auch wenn mir der Essay von Enzensberger aus 1985 im Gedächnis war, so habe auch ich mehr oder weniger ausgeblendet, dass gerade die letzten 20-30 Jahre u.a. dazu geführt haben, dass es zwar scheinbar immensen Fortschritt auf diversen Feldern gab, aber dass dieser einhergeht mit einem dramatischen Rückschritt auf eben einem Feld wie der Bekämpfung des Analphabetentums. Das digitale Zeitalter bringt also auch eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich, denen es sich zu stellen gilt…

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Mensch Egon, immer dieser Weihnachtsstress

Mensch Egon, kann’s denn wirklich sein
Dass unser Ding mir bricht das Bein? –
Auf dem ich inauguriert doch stehe
Und erhaben bin – über jede Wehe;

Die als Gegenwind mich macht nur stärker
Bin ja Deutschlands oberster Berserker.
Bin sophistischer Jurist in bester Manier
Beherrsche das Partizipieren auf edlem Papier –

Wie kaum ein anderer meines Standes
Bin dafür öfters mal auch außer Landes –
In Mallorca, Florida oder St. Moral
Und häng‘ mir um den Freundesschal.

Mensch Egon, hattest doch alles perfekt geplant
Und manu propria die Zinsen abgesahnt.
Wir waren uns doch immer darüber im Klaren
Dass öffentlich wird nie dieses Verfahren.

Die launige Sach‘ mit dem Spiegel
Die wär‘ doch wirklich nicht nötig gewesen –
Unsere Anwälte verkünden nun per Siegel
Dass sie uns da fluffig raus fräsen.

Lass uns mit Edith mal trinken einen Tee –
Abwartend über das Malheurchen plauschen.
Carsten bringt Vroni mit – die stets gute Fee
Und schon wir uns glücklich berauschen.

Es wär‘ doch gelacht,
Wenn manus manum lavat nicht mehr gelte –
Hattest Basta-Gerhard auch einst bedacht
Ohne dass dafür es gab eine Schelte…

Ich repräsentiere Gewisseninhaft im ganzen Land
In sta(a/t)tlich ergebener Treue –
Mit niedersächsisch protektionierender Hand
Zeig ich prochristlich gewiss keine Reue…
.
© arso

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Cyberabwehr ist nicht schwer

Liebe Hacker,
Freunde des gepflegten DoS,
Hibbelige Cybernauten,

ist es es nicht eine schnieke Sache, dass der Herr Friedrich, der neue starke Mann für innere und äußere Sicherheit die Bundesrepublik nun tatkräftig unterstüzt, indem er ihr ein neues, ganz wichtiges „Cyberabwehrzentrum“ geschenkt hat. Einfach so, ohne Aufwandsentschädigung durch den Steuerzahler? Er möchte damit ganz wichtig tun und bestimmt dem großer Bruder USA ein wenig nacheifern, denn dieser hat ja so ein Spielzeug schon etwas länger in seinen Regalen. Dass der Deutsche Staat, gemäß der Maxime der Gründlichkeit, hier etwas länger brauchte, um sich dazu durchzuringen, dass man sowas Schnuggeliges hier einführt, das können wir ja noch verschmerzen, aber dass er es eben NICHT gründlich tat, dies verärgert den Spielefreak hier etwas, dann das hätte doch nicht sein müssen, oder?

Worum geht’s? Im Digitalen Zeitalter ist es sicher kein schlechter Ansatz, dass man sich darum Gedanken macht, wie man bestimmte Dienstleistungen, die der Staat ja zunehmend „online“ anbietet bzw. anbieten will, in bezug auf Sicherheitsaspekte daraufhin überprüft, ob sie z.B. Daten, die im Rahmen dieses Anbietens von Dienstleistungen anfallen, angemessen schützen, d.h. dass niemand an sie „einfach so“ heran kommt; oder dass Ressourcen, die zunehmend auch dezentral via Internet gesteuert werden können und sollen, so geschützt sind, dass Manipulationen etc. zumindest äußerst schwierig sind. 100% Schutz gibt es nicht. Nirgends. Dies ist eine Chimäre, die immer wieder benutzt wird, um Stimmung zu machen oder Ängste zu schüren. Aber das nur am Rande.

Es ist also dem Grunde nach ein löblicher Ansatz, dass man hier Handlungsbedarf sieht. Die Dimension, die das Internet heute bereits hat und die Tatsache, dass immer wieder Cyber-Attacken in verschiedensten Ausprägungen in den Medien „präsent“ sind, sollte zumindest den Eindruck verstärken, dass es ein gewichtiges Thema wäre. Vielleicht gewichtiger als die Novellierung diverser Gesetze und Verordnungen. Dass dem nicht wirklich so ist, kann man aus der Struktur und dem Aufbau dieses neuen Gremiums schnell erkennen, denn es ist schlicht eines: Schicke Publicity! Man lasse sich das mal durch den Kopf gehen: Da arbeitet ein Gremium bestehend aus 10 Personen (Quelle: BSI) zzgl. vielleicht noch weiterer „Mitarbeiter“, die als Querschnittsaufgabe dann auch noch Cyberabwehr haben werden, an einem Projekt dieser Dimension! Für den Atomausstieg, für die PID, für die Reform der Bundeswehr usw, wurden Herrscharen von Kommissionen und Expertengremien eingerichtet und bemüht, die sich dieser -sicher nicht unwichtigen- Thematiken widmen können und konnten. Ausführlich. Aber für das Bedürfnis nach Sicherheit in bezug auf notwendige Ressourcen des Lebens, im Sinne dessen, dass sie ELEMENTAR sind, werden lächerliche 10 Hanseln abgestellt und ein kleines mediales Brimborium drum veranstaltet, in welchem Onkel Friedrich auch noch kühn erklärt, dass die Bedrohung schon „vor der Tür“ stände und die Wasser- und Stromversorgung besonders betroffen wäre? Wie bitte? Die Wasser- und Stromversorgung?

Sind mir entscheidende Novellierungen der Rechtslage aus dem Blick geraten, habe ich den Aufbau der Parallelwelt, in welcher der STAAT den Strom und das Wasser liefert, verpasst? Viele Wasserwerke, Stromanbieter (= Stadtwerke) etc. sind heute privatisiert, neudeutsch „outgesourct“. Wie will denn der Staat diesen gegenüber eine Wirkung haben? Es war doch Jahrzehnte lang Wunsch des Staates (via seiner Kommunen!), dass er eben alles auf Teufel komm raus privatisieren wollte, um Kosten einzusparen; die er dann anderenorts zwar oftmals unsinnig wieder zum Fenster raus warf, aber egal: Hauptsache wir können sagen, wir haben gespart. Und nun, nach dem großen Ausverkauf der letzten 20 Jahre, kommt der STAAT auf die Idee, er müssen eben dafür Sorge tragen, dass die Strom- und Wasserversorgung plötzlich gefährdet sei und man diese mittels Cyberabwehr schützen müssen? Es mag ja sein, dass man im Bundeskabinett denkt, der Bürger wäre etwas plüsch, aber so rosa denkt er nicht bzw. seine Liebe ist nicht so groß!

Also, welche Motive stecken tatsächlich hinter diesem Gremium der geballten Macht?

Der kurze Sommer der Anarchie

Als Hans Magnus Enzensberger vor etwas mehr als 34 Jahren seinen Roman-Essay, oder wie auch immer man das Werk einordnen möchte (wer’s denn braucht) mit dem Titel dieses Beitrags hier veröffentlichte, und darin, anhand der Ereignisse in Spanien im Sommer 1936, (u.a.) über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, aber auch Kunst nachdachte, da war er, -wie tlw. auch noch heute- seiner Zeit mal wieder etwas voraus. Sowohl was das Genre der Betrachtungen zum Gegenstand hatte, als auch was das Ziel des Buches betraf.

Mir scheint, dass es mal wieder Zeit wäre, dieses Werk zu lesen; nicht nur, weil Teile der arabischen Welt im Umbruch sind, sondern auch, weil sich die Blicke auf die Dinge oftmals im Lauf der Zeit bekanntlich auch ändern bzw. erweitern. Zudem lässt sich, nomen est omen was die Bezeichnung dieses Ressorts hier betrifft, somit auch mal an einer kleinen Vorskizze verdeutlichen, dass die Bereiche Literatur, Kunst, Politik -und über alle am Himmel das Träumen- eben (auch) sehr eng miteinander zusammenhängen (können). Man denke beispielsweise daran, dass ja die Anarchie in gewisser Weise auch Parallelitäten zu einer dissipativen Gesellschaftstruktur hat, denn das „Ziel“ einer selbstbestimmten/ selbstverwalteten Gesellschaft ist ja soweit nicht von deren griechischen Wortstamm (= Herrschaftslosigkeit) entfernt; dass die konnotativen (= „übertragene“, „mitschwingende“) Bedeutungen hier auch andere sind und waren, mag sein. Hier wären wir nun wieder gleich beim Stichwort Semantiken und man könnte darüber in Exkurse verfallen, aber das Ministerium soll ja randständig seine Pforten offenhalten, so dass bestimmt noch lange Winter der Akkribie (des Aufarbeitens) hier kommen könnten.

Zudem habe ich aber nun auch mal gleich die Brücke zum Namen des Ministeriums schlagen können, denn wie man wohl nun vielleicht unerhörter Weise erkennt, kann man es getrost als (m)einen dissipativen Traum bezeichnen, dass man eben die dissipative Gesellschaft für eine spannende Option hält. Auch könnte man ja mal die Tatsache reflektieren, was denn das selbstbestimmte Träumen hier nun vielleicht metaphorisch/symbolistisch bedeuten könnte, denn qua status sind Träume ja nicht immer selbstbestimmt, weil das Unterbewusstsein hier oftmals eine mehr oder wenige gewichtige Rolle spielt bzw. spielen kann. Ein Schelm, wer hier an das Luzide denkt und vielleicht die Kunst zu Träumen nun auch -kohärent- ganz anders einordnen kann. Aber das sind, dies sei erwähnt, alles nur mögliche Lesarten; man muss und darf auch verwirren oder sich irren… Ich möchte nur verdeutlichen, dass der vielleicht etwas ungewöhnlich daherkommende Titel (im Sinne seiner Wortzusammensetzung) -trotz oder gerade wg. des langen Akronyms- dennoch durchdacht im Sinne der Vorstellungen ist, die ich von einer Gesellschaft habe. Dazu passend möchte ich abschliessend noch ein kleines Gedicht in den (Lebens)Raum stellen, um die vorgenannten Gedanken noch etwas zu illustrieren:

Befreiung von den großen Vorbildern
.
Kein Geringerer
als Leonardo da Vinci
lehrt uns
»Wer immer nur Autoritäten zitiert
macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch
doch nicht
von seinem Verstand«
Prägt euch das endlich ein:
Mit Leonardo
los von den Autoritäten!
.
( Erich Fried )