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Archive for the ‘geh’dicht’ Category

Nach der Revolution

31. März 2013 1 Kommentar

Nach der Revolution

Von Armut befreit sind Land und Leute
Durch des Menschen erblühte, letzte Vernunft,
Weltweit ergrünt das Hoffnungsglück;
Die alten Herrscher verloren alle Beute,
Man trieb sie in ferne Berge zurück.
Von dort her senden sie, flehend, nur
Starre Winde des Bedauerns aus Eis
Ins Nihil über die grünende Flur.
Doch Menschlichkeit duldet kein Weiß,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Konzepten fehlts noch im Revier,
Sie nimmt ideenreiche Menschen dafür.
In die vielen Länder dieser Welt
Dringt die Kunde von der Befreiung vom Geld.
Jeder erkennt die Dimensionen dahinter
Gewiss, das war der Unterdrückung letzter Winter.
Jeder erfreut sich – in nah und fern.
Eine neue Auferstehung – ganz OHNE Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus enger Häuser einfachster Provenienz,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Nutzten sie ihre letzte Chance.
Sie alle wurden ans Licht gebracht.
Unterjochung besiegt, Freiheit nun lacht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Leute
Durch Wiesen und Wälder innig doch schlagen,
Um an Flüssen des Neuen zu küssen die Bräute;
Für ein anderes Leben – vom Herzen getragen.
Man hört schon der Länder Getümmel,
Hier ist der Völker wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier sind sie Mensch, hier können sie’s sein!
.
( arso : in Anlehnung an »Osterspaziergang« von J. W. von Goethe )

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Europabekenntnis

30. September 2012 1 Kommentar

Europabekenntnis

Mein Denken ist geprägt von Hellenen
Bezirzend durchströmt’s meine Seele –
Und fließend durch jede meiner Venen
Vernünftig es küsst oft die Kehle.

Wenn Schönheit ich irgendwo erspähe
Dann meist mit hellenischem Blicke
Vor Glück ich französisch mich dann drehe
Als Dank für die neuen Geschicke.

Auch mag ich diese Römer arg leiden
Sie strahlen vom Herzen innig tief –
Ein Friedrich bewohnte ihren Weiden
Mit wahrem Kulturverständnis: Schnief!

Diese Spanier, die sind wie Verwandte
Weil von Franco sie sich befreiten –
Steh’n mir näher als manche Bekannte
Die entfremdet durchs Land nur gleiten.

Auch wär ich gerne mal ein Franzose
Der die Grande Nation mobilisiert –
Zög‘ über der Brüderlichkeit Hose
Die Humanismus als Ziel gutiert.

Ich ruf zu Rumänen und Bulgaren
Kolonialismus wir müss’n besieg’n!
Und nieder mit den billigen Waren
Die unser Fortkommen nur bekrieg’n!

Wenn ich weine, dann oft portugiesisch
Weil im Fado ich gern versinke –
Melancholie die klingt paradiesisch
Wenn mit Pessoa ich sie trinke.

Mag sein dies hier sind nur ein paar Worte
Die bekennend ich niederschreibe –
Doch bin ich verbunden diesem Horte:
Europa, ich mag dich als Bleibe…

Kategorien:geh'dicht

Muttis Minister sind alles Philister…

29. Juli 2012 2 Kommentare
Wir verkörpern Minervas Wahrheit in Person –
Wenngleich wir als ministrable Verteidiger obschon
Hin und wieder den Überblick über sie leicht verlieren –
Dafür wir aber rhetorisch scheinbar brillieren
Mit Strategien zur Rettung unsres veritablen Amtes
Das uns bedeckt mit der Klarheit weißen Samtes
Welcher uns bettet wie auf christlichen Werten
Die früher man ehrte bis wie sie schließlich lehrten
Um zu demonstrieren die Fallhöhe des polidemischen Betriebs
Ab der man aufsteigt – Dank eines abgeklärten Triebs
Zum Verspotten, Verhöhnen, Verklären und Verschleiern
Des allgemeinen Volkes präjudizierend wie unter Geiern
Die das Aas, das sie selber schufen, nun frisch servieren
Und damit versuchen lobbyistische Macht zu kaschieren.
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Wir haben ein reines Gewissen – vor uns und unseren Familien –
Sind fraglos tangiert von Offerten weißer Lilien
Die man medial uns versucht manchmal anzutragen –
Wir erwidern sie ehrbar – mit welken Klagen
Die unser Selbstverständis verhüllend entnebeln sollten –
Als Dank werden wir nicht selten des Machtmissbrauchs gescholten;
Dieser ist etwas, was man sich nur muss leisten wollen –
Minister verplichtet! Es geziemt sich nicht, bei Gebrauch zu grollen
Über Petitessen die durchzogen von linker Amoral
Die früher besetzte die UNIs und heute tanzt in deren großen Saal.
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Wir steh’n zu unsren Worten wie die Felsen in der Brandung
Und fordern uns noch so viele auf – zu einer feigen Landung –
Es wird sie nicht geben, denn wir haben Verantwortung übernommen
Für das Deutsche Volk und sei sie noch so verschwommen
In der Wahrnehmung der anderen als solche zu erkennen
Wir geben unser Ehrenwort: Wir werden uns niemals von ihr trennen!
Es sei denn, unsre Mutti begehrt auf zur feierlichen Demission –
Dies wär‘ was andres: Nämlich DAS Verdienst als Gipfelhohn…

( arso, Juli 2012 [Sommerloch] )

Europäische Schauermotette

7. Juli 2012 1 Kommentar
Leise trällern Ökonomen der Vernunft
Ihre Elegien der Komplexität –
Anderswo zwitschern jene der Gegenzunft
Lautstarke Lieder als schmackhaftes Brät.
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Medialisiert wird immer und überall
Meist mit Erregung und Ideologie –
Realitäten kommen dabei zu Fall
Die Banken-Union ergötzt sich am „Si!“.
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Die Stimmen der Märkte wirken disparat
Doch ihr Parkett ist solide und versiegelt –
Für Menschen ist’s meist ein schmaler Grat
Im Tanz zu erkennen – wer warum abwiegelt;
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Drum wird debattiert, geblogt und gescholten
Gegliederte Klänge bezirz’n die Seelen –
Ob die Meere aus Chören das aber wollt’n
Wissen nur die Banken: Nach dem Taler zählen.
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© arso
Kategorien:geh'dicht, Zeitgeist

Mo-der-ne Erregungen

10. April 2012 3 Kommentare

Mo-der-ne Erregungen

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Beständig inhaltsleer
Schwappen Wellen der Erregung
Reflexartig in unsere vernetzten Lebensräume.
Sie tragen Mahner der Weisheit auf ihren spiegelnden Oberflächen
Welche uns für Augenblicke blendend umarmen – mit ihrer rhetorischen Akrobatik
Die sich des sophistischen Spiels bedient – um wieder zu erzeugen:
Leere, die gefüllt werden muss – mit Erregung
Die übers Land schwappen soll
Beständig inhaltsleer.
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© arso

Betriebsamkeit

7. April 2012 4 Kommentare
Der Politikbetrieb erklärt sich
für nicht zuständig
sagte das verlorene Gewissen.
Berufsdemokraten entwerfen Gesetze,
und vergisst man deren Lesungen,
dann kostet ein leckeres Gericht
einfach später ihre neuen Entwürfe.
Das geht schon seit über 60 Jahren so,
sonst wär‘ der Ständeschutz für Advokaten
schon zerbrochen – an seiner Präzision.
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Der Demokratiebetrieb erklärt sich
für nicht (mehr) zuständig
sagte das verlorene Vertrauen.
Marktpolitiker erproben den Konformismus,
und scheitert eine Versuchsanordnung,
erlässt eine Studie neue Aspekte,
die appliziert werden – auf die freie Wildbahn.
Das geht schon seit vielen Tagen so,
sonst wär‘ die Rückbesinnung auf die pólis
vielleicht schon wieder en vogue – im Hamsterrad.
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© arso

Stunde der Wahrheit

4. April 2012 1 Kommentar
Geisteswissenschaften, ihr die ihr stets beklagt
Man würde euch kaum mehr fördern –
Fördert aus euren Tiefen Weisheit, die hinterfragt –
Aber werdet nicht zu eignen Mördern.
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Bietet Halt und Fundierung durch Orientierungshoheit –
Die einst mal war eurer Geschichte Glanz;
Nicht selten ist euer Schliff heuer nur mehr Rohheit –
Rhodiniert mit verbrämten Firlefanz.
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Auflösende Hermeneutik der Verdichtung wäre indiziert –
In einer Zeit die selten verdichteter wohl war;
Damit gesagt werden kann, was gesagt werden sollte:
Ressentimentbereinigt – auch noch in hundert Jahr …
Appendix:
Auch wenn (deutsche) Dichter sich (scheinbar) immer wieder in die Nähe des ein oder anderen Ressentiments begeben mögen -die Lesarten können und sollen divergieren-, GnBK-pólis möchte klar und deutlich zu Protokoll geben (Günter Gaus lässt grüßen), dass es keineswegs den Eindruck teilt, dass diese damit „im Abseits“ stünden. Stattdessen dankt GnBK-pólis dafür, (wahrhaft) Unbequemes zu thematisieren; auch wenn die Art und Weise für den ein oder anderen (immer wieder?) polarisierend sein mag.