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Nach der Revolution

31. März 2013 1 Kommentar

Nach der Revolution

Von Armut befreit sind Land und Leute
Durch des Menschen erblühte, letzte Vernunft,
Weltweit ergrünt das Hoffnungsglück;
Die alten Herrscher verloren alle Beute,
Man trieb sie in ferne Berge zurück.
Von dort her senden sie, flehend, nur
Starre Winde des Bedauerns aus Eis
Ins Nihil über die grünende Flur.
Doch Menschlichkeit duldet kein Weiß,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Konzepten fehlts noch im Revier,
Sie nimmt ideenreiche Menschen dafür.
In die vielen Länder dieser Welt
Dringt die Kunde von der Befreiung vom Geld.
Jeder erkennt die Dimensionen dahinter
Gewiss, das war der Unterdrückung letzter Winter.
Jeder erfreut sich – in nah und fern.
Eine neue Auferstehung – ganz OHNE Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus enger Häuser einfachster Provenienz,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Nutzten sie ihre letzte Chance.
Sie alle wurden ans Licht gebracht.
Unterjochung besiegt, Freiheit nun lacht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Leute
Durch Wiesen und Wälder innig doch schlagen,
Um an Flüssen des Neuen zu küssen die Bräute;
Für ein anderes Leben – vom Herzen getragen.
Man hört schon der Länder Getümmel,
Hier ist der Völker wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier sind sie Mensch, hier können sie’s sein!
.
( arso : in Anlehnung an »Osterspaziergang« von J. W. von Goethe )

Armutsrisiken: SPEGEL-Online das Populismus-Medium mit Bertelsmann-Blut tut nicht gut

Kaum waren die neuen Zahlen einer EU-Statistik zur Armutsgefährdung durch die Medien gegeistert, lieferte das einstige Qualitätsmedium SPIEGEL via seines Online-Ablegers gleich den Beweis, dass man die Zahlen für Deutschland nicht ernst nehmen könnte und dass EUROSTAT mit seiner Methodik einfach falsch liegt. Deutschland würde systematisch arm gerechnet und die Zahlen hätten sehr wenig mit der Realität zu tun. Grundsätzlich steht es jedem Medium via seiner Journalisten frei, eine Veröffentlichung, eine Analyse zu hinterfragen und deren Daten auch auf Validität zu prüfen. Das ist gut so und soll so sein. Aber wenn man es schon macht, dann sollte man sich wenigstens die Mühe machen, es mit Präzision und Wahrheitsanspruch zu machen – nicht mit populistischer „Argumentation“, die, um es gleich vorweg zu nehmen, unsauberer und unschärfer ist, als die Methodik der EU, die kritisiert wird.

Dass es mit Statistiken immer so eine Sache, dies steht außer Frage. Man kann sie durchaus in die ein oder andere Richtung „lenken“, wenn man bestimmte Parameter z.B.verschweigt, vernebelt, oder falsch festlegt bzw. berücksichtigt. Natürlich kann auch die Datenlage an sich fehlerhaft sein. In der Regel dürfte dies aber seltener der Fall sein; „Streit“ gibt es eigentlich meist mehr um die Methodik bzw. die einzelnen Indikatoren, die die Statistik dann bilden. Das ist i.O. so und sollte auch immer kritisch beleuchtet werden.

SPIEGEL Online führt hier an, dass nachfolgende 3 einheitlichen Kriterien gelten würden, nach denen die EU klassifizieren würde:

  • Armutsgefährdungsquote: 15,8 Prozent der Deutschen verfügen über weniger als 60 Prozent des Netto-Durchschnittseinkommens und gelten damit als von Armut bedroht. In Deutschland liegt diese Grenze konkret bei 952 Euro im Monat für einen Single und bei 2000 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Für die Armutsberichte etwa der Bundesregierung ist das der maßgebliche Faktor.
  • Erhebliche materielle Entbehrung: 5,3 Prozent der Deutschen leben in Haushalten, in denen das Geld für grundlegende Dinge fehlt – konkret für mindestens vier der folgenden neun: Miete, Heizung, unerwartete Ausgaben, mindestens jeden zweiten Tag eine angemessene Mahlzeit, mindestens eine Woche Urlaub im Jahr außerhalb der eigenen vier Wände, Auto, Waschmaschine, Farbfernseher oder Telefon.
  • Sehr geringe Erwerbsbeteiligung: Diese liegt vor, wenn die erwachsenen Mitglieder (bis 59 Jahre) eines Haushaltes zusammengerechnet weniger als 20 Prozent der möglichen Zeit einen Job haben. Bei einem Single ohne Kinder wäre dieses Kriterium erfüllt, wenn er weniger als 2,4 Monate im Jahr arbeitet. Bei einer Alleinverdienerin mit nichtberufstätigem Partner und zwei studierenden Kindern im Haushalt dagegen schon, wenn sie weniger als 9,6 Monate im Jahr beschäftigt ist.

Es wird der Eindruck vermittelt, dass dies die objektiven Kriterien wären, nach denen eben die Statistik erstellt worden ist – das ist aber nicht der Fall. SPIEGEL-Online täuscht hier leider die Leser. Ob bewusst oder unbewusst, ist letztlich egal – es ist pure Schlamperei und zeigt, wie dort analytisch gearbeitet wird. Aber gehen wir in medias res:

Die erste unlautere „Unschärfe“ die SPON schon im ersten Kriterium begeht, ist, dass behauptet wird, dass, wer weniger als 60% des Netto-Durchschnitteinkommens hat, dann eben armutsgefährtdet ist. Man verschweigt aber, dass das KRITERIUM der EU an dieser Stelle heißt: „Als von Armut bedroht gelten Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle, die bei 60 % des nationalen verfügbaren medianen Äquivalenzeinkommens (nach Sozialtransfers) liegt. “ – Nach (erfolgten) Sozialtransfers! Das heißt im Umkehrschluss, es gibt sehr wohl eine quantifizierbare Menge an Menschen, die NUR dank der Zahlung von Sozialtransfers aus diesem Kriterium „rausfallen“. Zum Vergleich an dieser Stelle: Würde man das Kriterium der Sozialtransfers herausnehmen, dann läge die Gefährdungsquote bei 25,1% (Quelle: destatis), also fast 10% höher. Oder anders ausgedrückt: 9,3% der Bevölkerung in D fallen aus dem Kriterium 1 heraus, weil der Staat ihnen Sozialleistungen zahlt. Das sollte man sich mal in aller Ruhe durchdenken; denn es zeigt die Dimension des Gefährdungspotential „gut“ auf.

Die Indikatoren, die das 2. Kriterium der EU bilden, sind sicher in der Tendenz einer Ausprägung der richtige Weg, aber sie sind leider auch recht vage, um damit wirklich zuverlässige Aussagen treffen zu können. Die Angaben implizieren subjektive Komponenten, so dass eine Standardisierung hier doch schwierig scheint. Was ist eine angemessene Beheizung? Was fällt unter unerwartete Ausgaben? Nun denn, man kann über die Indikatoren streiten und reden, aber wenn man es macht, dann sollte man es inhaltlich tun. Im Artikel von SPON war davon nichts zu lesen.

Das 3. Kriterium, das SPON anführt ist ebenfalls fehlerhaft übernommen worden, denn die EU legt das KRITERIUM anders fest, unzwar so: „Als in Haushalten mit niedriger Erwerbstätigkeit lebend gelten Personen im Alter von 0-59 Jahren, die in Haushalten leben, in denen die Erwachsenen (18-59 Jahre) im vorhergehenden Jahr insgesamt weniger als 20 % gearbeitet haben.“ Weiterhin ist in den Metadaten zur Statistik bei EUROTSTAT eindeutig angegeben, dass z.B. Studenten hier nicht zählen. Es ist fast schon grob fahrlässig, dass SPON hier eine „Berechnung“ aufzeigt, nach der eine Familie mit 2 Kindern und nur einem Partner, der arbeitet, dann bereits bei unter 9,6 Monaten Beschäftigung/Jahr dann arm wäre. Diese Methodik sieht die EU-Statistik nicht vor. (vgl. Metadatenauszug hier)

Im weiteren führt SPON aus, dass die EU-Methodik daran kranken würde, dass schon eines der 3 Kriterien ausreicht, um als arm zu gelten; im Weiteren fährt man fort, dass dies zu „bizarren Verzerrungen“ führen würde, die dann nachfolgend durch Beispiele „belegt“ werden. Hierzu ist Folgendens festzustellen:

Die Angabe, dass „8,5% der Deutschen zwar weniger als 60% des Durchschnitteinkommens hätten(…) usw.“ kann man zwar anführen, aber sie hat leider KEINE valide Basis, um als Vergleich zu dienen, denn die Daten von EUROSTAT sind repräsentativ, statistisch ermittelt worden. SPONs Daten sind, ja, was sind sie, Umfragen? Man weiß es nicht. Und daher ist dies Schönrechnung auf 11,4% einfach nur lächerlich und zudem ist sie mathematisch-statistisch hanebüchen. Denn: Es existiert ja gerade der Vergleichbarkeit wegen das konkrete Kriterium (weniger als 60% des nationalen Durchschnittseinkommens [nach Sozialtransfers]). Und dieses Kriterium ist verbindlich innerhalb der EU und darauf basieren die Werte. Wenn das SPON nicht passt, dann muss sich SPON dafür stark machen, dass man den Wert (z.B. 60%) auf was auch immer ändert. Die Statistik ist seitens der EU hier also absolut sauber. Und gut.

Die als 2. Schönrechnung herausgefilterten „Daten“ für das Kriterium Erwerbstätigkeit kann man objektiv nicht mehr nachvollziehen, denn WOHER hat SPON diese Zahlen? DIE EU hat KEINE diesbezüglichen Daten erhoben, die einen solchen Schluss zulassen würden. Das is populistisches Gerechne auf Schönwetter-Niveau.

Ebenso unverständlich ist das Anbringen des weiteren Monitums, dass man Ungleichheit messen würde und dann Rumänen und Luxemburg „vergleicht“. Diese Methodik ist unlauter, denn die EU nimmt als Maßstab den jeweiligen nationalen Median des Durchschnittseinkommens. Nur wer unterhalb von 60% liegt, gilt als arm; es ist dabei unerheblich, ob der Median in Luxemburg X beträgt und in Rumänien Y. Der Vergleich erfolgt also relativ (auf die 60% bezogen) nicht absolut…

Fazit:
Man kann kritisieren, aber mann sollte es dann schon etwas präziser tun und dezidiert auf die Methodik von Eurostat eingehen. Die Schönrechnung des Armutsrisikos von 19,9% auf 9,1% bleibt indes Hokuspokus, der nichts mit der Realität zu tun hat. Deutschland hat, als eines der reichsten Länder der Erde, ein Armutsproblem von hohem Ausmaß. Und daran sollte man arbeiten – aber nicht mit populistischem Schönrechnen.

„Ehekredit“ – Anmerkungen zum Nonsenvorschlag der CDU in Sachsen-Anhalt

29. Juni 2012 2 Kommentare

Es gibt sie immer wieder, diese Tage, an denen man von Dingen Notiz nimmt, die einen sofort denken lassen: „Das kann nur ein grottenschlechter Scherz sein. Das ist schier surreal.“ Kürzlich war wieder mal einer dieser Tage. In der taz konnte man lesen, dass die ehrwürdige CDU jenes Bundeslandes, in welchem ich doch sehr gerne lebe, also Sachsen-Anhalt, mal wieder eine tolle Idee hat(te), wie man mittels Steuergelder zu neuen Ufern steuern könnte. Und da Ideen ja heute nur noch eher selten dem platonischen Ideal entsprechen und diese auch greifbar sein müssen, wurde die Abteilung des Recylings bemüht und aus der Mottenkiste finsterster Vergangenheiten etwas hervorgekramt, bei dem man eigentlich nur attestieren kann, dass es die CSU plötzlich zur progressiven Truppe lanciert, wenn diese ihre Herdprämie gegen alle Widerstände verteidigt, so reaktionär und weltfremd ist diese alte Idee.

Worum geht’s? Nun, die CDU möchte jüngeren Paaren, die gerade geheiratet haben, oder überlegen, sich vielleicht in Kürze zu ehelichen, eine Option etwas schmackhafter machen, die das ein oder andere Paar sicher hat: Die Planung von Nachwuchs. Und da der gemeine Deutsche sein Leben in der Regel sehr konstant am Reißbrett plant und er auch berücksichtigen muss, dass dies alles auch etwas kostet, hat man sich bei der CDU ST gedacht, dass man diese Überlegungen ein wenig mit Zucker anfüttert und den Potentaten etwas unter die Arme greifen muss. Ergebnis: 5000 EUR als „Ehekredit“. Für die Rückzahlung hat man sich eben das aus DDR-Zeiten bekannte Bonmot „einfallen“ lassen, dass, je mehr Kinder man dann bekäme, je weniger muss man von diesem Kredit zurückzahlen. Soweit so „schön“ …

Liebe CDU in Sachsen-Anhalt,

ad 1)

Es erfüllt den Tatbestand der Diskriminierung, dass im Vorschlag festgeschrieben ist, dass diese Prämie nur für Menschen bis 35 Jahren gezahlt werden soll. Gem. GG würde dies eine Ungleichbehandlung darstellen, die so nicht hingenommen werden kann. Zudem: es existieren keinerlei Gründe dafür, warum man überhaupt eine Grenze im Alter macht, denn, wenn überhaupt, dann sollte es jedem selbst überlassen bleiben, wann er es für richtig hält, Kinder zu bekommen. Die Grenze ist willkürlich. Die Vorgabe durch den Staat wäre also eine Verletzung von Grundrechten gem. GG.

ad 2)

Ebenso diskriminierend ist es, daß dieser Vorschlag nur für verheiratete (heterosexuelle) Paare geöffnet werden soll. Dies ist schlicht reaktionär, da es die Lebenswirklichkeit(en) komplett verkennt; dies ist nicht nur eine Verzerrung selbiger. Es fällt schwer, sachliche Gründe dafür zu finden, warum man nur eine verheiratete Lebensgemeinschaft kreditieren könnte, während z.B. Menschen, die „nur“ zusammenleben (heterosexuell wie homosexuell) diese Option dann nicht hätten. Das ist einfach nur irrsinnig. Dies möglicherweise damit zu „begründen“, dass die (heterosexuelle) Ehe unter besonderem Schutz des GG stände, würde nur zeigen, dass das Familienbild der CDU leider reaktionärer ist, als man es für möglich gehalten hätte.

ad 3)

Als Steuerungsinstrument für eine Familienpolitik ist diese Idee mehr als ungeeignet, denn auch der CDU in ST dürfte nicht entgangen sein, dass Deutschland von jeher ein Land ist, das z.B. ein deutlich über dem EU-Durchschnitt liegendes Kindergeld zahlt und dennoch die Geburtenraten hier nicht gestiegen sind. Vielmehr sollte es so sein, dass man das Bekommen von Kindern NICHT an irgendwelche pekuniären Anreize knüpft, sondern dass man stattdessen die Infrastrukturen endlich mal so verbessert, dass die Vereinbarkeit von Kindern und Job besser wird. Oder aber, was noch viel besser wäre, man investiert Geld in eine Aufklärungskampagne, die da kolportieren könnte, dass Kinder einen Wert an sich darstellen – für jede Familie. Wir müssen davon wegkommen, immer Kostenargumente mit dem Kinderhaben in den Vordergrund zu stellen. Dafür bedarf es sicher erheblicher Anstrengungen, um hier im Bewusstsein (wieder) einen Wandel herbeizuführen, aber Steuermittel wären dafür gewiss besser verwendet …

Von daher:
Bitte zurück in die Mottenkiste mit dieser Idee!

Alexander Kluge (Verneigung)

Es scheint, als sei das Leben immer schnelllebiger geworden, es scheint, als sei das Zeitalter, in welchem wir leben, immer beschleunigender in seiner Entwicklung. Man glaubt, dies zu fühlen, man glaubt, dies zu spüren oder denkt, es zu wissen, aber ist dem tatsächlich so? Wilhelm von Humboldt schrieb einst, dass die Zeit nur ein leerer Raum sei, dem erst Begebenheiten, Gedanken und Empfindungen Inhalt geben würden. Ein Gefühl für Zeit zu entwickeln oder sich ihres Seins, ihres Fortschreitens, ihres unsichtbaren Mahnens zu vergewissern, hängt also gewiss nicht unwesentlich davon ab, was und wie Menschen (etwas) erleben, was und wie sie denken und was und wie sie empfinden bzw. wahrnehmen.

Zuweilen (mancher sicher auch häufiger) fragt man sich von daher, ob es sinnvoll, ob es bereichernd ist, wenn man eben dieses Erlebte, diese Erdachte & Gedachte, dieses Empfundene und Wahrgenommene in Relation(en) zueinander setzt – dergestalt, als dass man dadurch beispielsweise fundierte, nachvollziehbare Quellen dafür liefern könnte, dass z.B. das Erlebte eines Menschen im Mittelalter unmittelbare Bezüge zum eigenen Leben in der Postmoderne hat(te) und wir daraus wiederum etwas für uns ableiten könn(t)en? War die Art des Denkens in der Renaissance ähnlich zeitfüllend wie jene während der Zeit des Humanismus? Empfand Herodot bei seinen Geschichtsschreibungen ähnlich wie Hegel, als dieser seine (und frühere) Zeiten beschrieb? Was bleibt, wenn man die fast schon zyklischen Erregungszustände moderner Gesellschaften nur randständig betrachtet und stattdessen nach neuen Charakteristika in ihrem Wesen sucht oder versucht, sie in bisher nicht bekannte Zusammenhänge zu setzen – beispielsweise enthoben ihrer Zeit? Wie verhält es sich nun mit der Kälte, die seit (gefühlt) unendlich langer Zeit auf dem Pferd ihren Ritt durch die Zeiten und Welten macht und sardonisch darüber lächelt, dass man sich nicht traut, sie eben von diesem zu reißen?

Man könnte die Reihe der Fragen, die sich viele an der ein oder anderen Stelle sicher schon gestellt haben, gewiss beliebig erweitern, aber auf eines könnte man sie wohl immer (auch) reduzieren: sie suchen immer (auch) nach etwas Neuem. Ganz der philosophischen Tradition von Neugier und Skepsis, die die Anfänge von so vielem bilden, suchen Sie, lieber Alexander Kluge, in den Dingen, in den Kontexten, in denen sie eingebettet sind, stets nach etwas Neuem, nach etwas, das man so bisher noch nicht vernetzt hat(te) bzw. es so verortet hatte. Sie verknüpfen Altes mit Neuem, Neues mit Neuem und Altes mit Altem und erschaffen hierbei Gärten der Erkenntnis, neue Ebenen für Reflexionen und Neugier Weckendes. Parallel hierzu erschaffen Sie eine Art Navigationsstruktur, mit der man durch Ihre Gärten, die immer auch Teil und Reflexion unserer Welt sind, mäandern kann. Zugleich können wir in Ihrem Denken und Fühlen, das wiederum immer (auch) Dünger für diese Gärten ist, immer wieder feststellen, dass diese Gärten, die da erschaffen worden sind, eben damit auch natürlichen, biologischen Prinzipien folgen. Es ist etwas Organisches, auch wenn es zunächst (scheinbar) in der Sphäre des Geistigen verortet wird. Auch wenn diese Gärten sicher eher Kleinode sind, sie gedeihen und blühen prächtig. Aber, fast noch wichtiger, sie vermögen es unzählige Arten von Bienen anzuziehen. Und diese Bienen, die sammeln reichlich Nektar, die verweilen und ruhen dort und tanken damit auch wiederum Kraft für ihre Flüge – darunter vielleicht für einen auf das Meer, um die Schönheit der Gärten auch mit Abstand und zugleich Rauschen unter sich wahrnehmen zu können, vielleicht auch für einen, um etwas von ihrem Nektar einzuschenken – denen, die auf dem Land ihrem Summen lauschen, oder die sich von seinem Duft betören lassen wollen, um damit inspiriert zu werden, Dinge neu zu entdecken, Dinge zu vernetzen, Dinge neu zu erschaffen.

Dass Sie und die von Ihnen gegründete dctp hierbei einen ausgezeichneten Gärtner abgeben, dies braucht man eigentlich kaum mehr zu erwähnen. Auch haben Sie sich oft die Unbefangenheit des Kindes bewahrt, das zuweilen unerschrocken, doch meist sokratisch gießt, ähm fragt und zudem dabei lacht und lernt. Wüssten wir nicht, dass Sie ein Polyhistor allerersten Ranges wären, wir könnten manchmal denken, Sie seien die Verkörperung eines Mythos. Wir wissen, dass Sie diese Beschreibung sicher eher ablehnen würden, da es eine Ihrer weiteren wunderbaren Eigenschaften ist, dass Sie unglaublich bescheiden und uneitel sind, oder, um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen, Sie haben von Ihrer Mutter die Fähigkeit der Senkung der Ich-Schranke mit in die Wiege gelegt bekommen. Mehrfach haben Sie betont, dass Ihr Schaffen und Wirken ohne Ihre Mitarbeiter, ohne Ihre Freunde nicht möglich gewesen wäre. Und dafür gebührt Ihnen eine ganz besondere Verneigung, denn es gibt wohl kaum ein anderes Medienunternehmen, das derartig einzigartig seinen Weg geht. Und dies geht natürlich in der Tat nur, wenn man ein Team ist. Insofern ist es auch ein Glücksfall, dass Sie unter ihrem Dach bzw. in Ihrem persönlichen Umfeld diese Menschen versammelt haben/versammeln konnten.

Es war einer Ihrer Wünsche, dass Sie sich anlässlich Ihres besonderen Ehrentages mal 2-3 Tage Ruhe gönnen, mal nicht arbeiten wollten. Man kann es sich zwar irgendwie kaum vorstellen, dass ein so rastloser Mensch wie Sie, dies dann auch tatsächlich umsetzt, aber sei’s drum. In jedem Fall möchte ich mir erlauben, Ihnen aus tiefstem Herzen und tiefster Dankbarkeit für Ihr Sein, für Ihr Schaffen, für Ihr Wirken (m)eine sanftmütige, aber ehrfurchtsvolle Verneigung zukommen zu lassen. Sie, und Ihre dctp waren und sind mir immer ein Leuchtturm gewesen und dieser Leuchtturm, der soll, nein muss!, noch verdammt lange leuchten. Und die angrenzenden Gärten, die auf den Meeren, vor seinen Augen, beheimatet sind, die über seiner Spitze, im Himmel, die Wolken umranken, die auf dem Land ungerade an Gott grenzen und musizierenden Blumen, die vielleicht auch Dinge sind, beim Gedeihen ein Hort sind, werden wir bewahren und pflegen – auf dass ihr Reichtum, ihr Blühen, das unendlich viel mehr wert ist, als jede Summe Mammon, die ist, oder jemals sein wird, niemals vergehen wird!

Infos zu dieser Verneigung:
Bullshit-Index:  0.10
( http://www.blablameter.de )
Angeblich verfasst im Schreibstil von:  Georg Wilhelm Friedrich Hegel
( http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx )

Das Politbüro bittet zu Tisch

Aus der lupenreinen Demokratur ist derzeit zu vernehmen, dass Wladimir Putin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder die Rolle des Präsidenten mimen darf. Es ginge nur noch darum, mit welchem Ergebnis er die Wahl gewinnen würde. Dieses Bild wird in vielen Medien Europas, darunter auch deutschen, derzeit skizziert. Ob diese Aussicht tatsächlich das spiegelt, was in Russland gedacht und gefühlt wird, kann ich leider nicht beurteilen, da mir dafür (leider) die Basis an Informationen fehlt, aber die Tatsache, dass im größten Land der Welt der Sieger einer Wahl bereits vorher festzustehen scheint, wirft in mir ein winziges Gedankenexperiment an:  Wie wäre es, wenn sagen wir mal im Herbst diesen Jahres feststehen würde, dass Bundeskanzlerin Dr. Merkel als Siegerin der Bundestagswahl 2013 bereits feststehen würde und es in den kommenden Tagungen des (Öffentlichkeit herstellenden) Politibüros nur noch darum ginge, wie stark und mit welchen Mitteln sie ihren Rivalen von der SPD deklassieren wird. (Anm: Über einen anderen Gegenkandidaten braucht man sich in D gewiss keine Sorgen zu machen; der gemeine Deutsche liebt die duale Beständigkeit über alles.)
Das Politbüro, das hier tagt, soll dabei mal so verortet werden, dass es Schönbergs 12-Ton-Musik orchestral abbildet; der Transparenz halber werden nachfolgend die Töne noch visualisiert:
Wir ergänzen noch um SPIEGEL und STERN – fertig ist unser modernes, politisches Ensemble.

Dass dieses Gremium dazu in der Lage ist, harmonische Klänge zu erzeugen, sollte bekannt sein, wenngleich auch stark dissonante Einzeltöne durchaus immer wieder ihren Reiz haben. Nein, mehr noch, sie hauchen dem Ensemble erst die Wärme ein, die es bedarf, um mit dem inneren Klingen in Kontakt zu treten. Aber dies sei nur am Rande erwähnt.

Also, wir haben mal wieder Herbst in Deutschland. Leicht stürmisch, aber dennoch entspannt ist die Lage im Volk. Ein paar Scharmützel aus dem Sommer werden noch hier und da  diskutiert, verarbeitet und verdrängt. Das Medium mit der größten Reichweite, das Fernsehen, lässt über seine Münder kolportieren, dass das Politbüro (PB) der Deutschland AG wieder seine Arbeit aufgenommen hat; wie meistens in den kälteren Monaten des Jahres. Kurz darauf wird öffentlich, dass das PB einstimmig beschlossen hat, dass Dr. Angela Merkel als Siegerin aus der Bundestagswahl 2013 hervorgehen wird. Es gäbe keinen Zweifel mehr an ihrem Sieg, da ihre Macht unerschütterlich sei.

In der Folge werden reihenweise Konzerte des Politbüros in den deutschen Landen abgehalten, um die Nähe zum Volk zu wahren. Diese werden frenetisch vom Publikum gefeiert. Während man in Bayern das Ohr besonders für die rechtsschwingenden Melodien spitzt, wird im Osten eher den linksdrehenden Sätzen des Stücks gelauscht. Die Völker des Nordens lieben das Understatement der mittleren Töne und die Overtüre besonders. Westlich wird einfach in rheinischer Tradition das Humorige und das Groteske im Stück aufgesogen; dafür wird auch mal in den Kirchen der katholischen Schiefebene ein Spectaculum a’la „Gospel mit dem Politbüro“ ins Leben gerufen. Das Land ist in Aufregung; es wird gelacht, getanzt und debattiert.

Viele sagen, dass sie zwar nicht so ganz zufrieden damit wären, dass die Frau Doktor noch mal ans Ruder käme, aber man müsse ja schließlich die Meinung der Mehrheit akzeptieren. Und wenn die Lage so klar wäre, dann bliebe ja keine andere Wahl. Anderen meinten, dass sie dies für ein abgekartertes Spiel des PB hielten und verwiesen darauf, dass dies doch in Russland auch schon so gelaufen wäre. Aber da Deutschland nun mal abhängig von Diversem wäre, wäre es wohl nicht anders möglich. Man könne damit letztlich leben, denn ihnen ginge es ja noch relativ gut. Wieder andere sagten, dass sie der ganze Zirkus eigentlich nicht mehr interessieren würde. Erinnert wurde zwar auch, dass es mal, z.B. Anfang des Jahres, zahlreiche Bürger gab, denen es nach Veränderung trachtete, aber diese sind mehr oder weniger verschwunden. Die Krisen der letzten Jahre haben offenbar ihre Spuren hinterlassen.

Irgendwie ertappe ich mich dabei, wie ich darüber nachdenke, dass es gar nicht so abwegig ist, dass diese Projektion Realität werden könnte. Nicht nur, weil sich die PBs dieser Welt immer besser in Szene zu setzen vermögen, sondern auch, weil die neuen, sich gerade erst formierenden PBs (-> WEB) in meiner Wahrnehmung in ihren Entwicklungen etwas fehl laufen – in ihren Wirkungen, ihren sich verfestigenden Kommunikationsmustern. Sie treten z.B. nicht selten nur als Reflex auf prozessuale Entwicklungen auf, anstatt diese inhaltlich und systematisch auszuleuchten (-> wird meist mit der Flosskel „komplexe Systeme und Zusammenhänge“ begründet) oder sie erzeugen -durch ihre „Echtzeit“- Erregungszustände, oder sie spiegeln Realitäten oft auch nur aus den Blickwinkeln, aus denen die bisherigen PBs ihre Concertos gewöhnlich anstimmen. Das sind nicht unbedingt Gewinne für die Kultur eines demokratischen Partizipierens.

Last, but not least, sollte noch erwähnt werden, dass die momentan in den USA stattfindenden Pre-Elections ebenfalls etwas davon haben, was man in Russland als mehr oder weniger gesetzte Realität betrachten kann/könnte: Das (scheinbare, gesicherte) Feststehen von Siegern bei Wahlen lange vor der eigentlichen Wahl. Wer die Berichterstattung dort verfolgt, der sieht gewiss (auch) Parallelen zu Russland. Insofern sind sich lupenreine Demokratur und superfeine Milikratur in einigen Aspekten gar nicht so unähnlich. So, nun trinke ich aber erst mal einen Tee und gehe dann spazieren im Schnee – oder vice versa.

Infos zu dieser Glosse:
Bullshit-Index:  0.13
( http://www.blablameter.de )
Angeblich verfasst im Schreibstil von:  Sigmund Freud
( http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx )

Google, ick liebe Dir #2

27. Januar 2012 2 Kommentare

Liebstes Schnurzelchen,

leider muss ich gleich zum Auftakt des neuen Jahres ein wenig >dudu!< mit Dir machen, denn im Moment schiesst Du doch wohl etwas übers Ziel hinaus; oder hast Du derartige Hummeln im Popo, dass Du unbedingt noch zum Ende des Halbjahres die Pool-Position in einem bestimmten Bereich ergattern willst? Sei doch nicht immer so ungeduldig, Schnuggi, Du hast doch alle Zeit der Welt. Und ja, Du schaffst das schon. Wir sehen Dich lieber in Zeitlosigkeit reifen, als dass wir uns mit Timeline-Schnickschnack von Marki den Kaffeeplausch versauern würden – aber das brauchen wir doch eigentlich nicht mehr zu erwähnen, oder? Sei doch nicht immer so verunsichert, Liebes, wir sind Dir so dankbar, so unendlich dankbar, dass man es in Worten nicht angemessen ausdrücken kann.

Aber nun mal kurz zum Monitum: Ich hörte von Kritik an Dir, unzwar Kritik, dass Du unseren kleinen Spatzen hier links in die Enge treiben würdest, dass Du ihm die Luft zum Atmen nehmen wolltest? Der Kleine hat sich ganz schön aufgeprustet, so dass es ein paar Wolken schlug, die die Daten nicht mehr halten konnten und dass er ein wenig Wasser lassen musste. Das ist doch etwas gemein von Dir, muss ich da mal sagen, denn das hat der Kleine nicht verdient. Ich mein, Du kannst doch nicht einfach (auch) einen Haschtag bei Dir einführen und zudem noch in Echtzeit dafür sorgen, dass man ihn genießen kann. So geht’s natürlich nicht; wir sind doch hier nicht in Holland! Der Kleine hat immerhin 200 Millionen Gefährten, die bei ihm mittirilieren. Eigentlich zeichnet Dich doch sonst die Bescheidenheit und Bodenhaftung aus; aber hier denkst Du, dass Du mit nicht mal halb so vielen im Boot einfach mal den Larry raushängen lassen musst, oder wie? Hey, keep cool Darling und lass die Jünger mal schön zwitschern, was sie noch dürfen. Das ist ja nun nicht mehr so viel, was die noch prusten dürfen. Also mach Dir doch wegen solcher Petitessen jetzt mal keine Sorgen und kümmere Dich um das, was wirklich zählt im Web, nämlich z.B. die Privatsphäre oder die Wissenschaft oder die Algorithmik der Suchanfragen, die ganz dringend mehr Entropie brauchen – Du hast hier ein wenig geschludert, beim Scharfschalten der neuen Optimierungen.

Als ich mich gestern gemütlich auf den (Holz)Boden gekauert hatte und mir so dachte, während ich die Wolken in der Decke zählte, dass es nun Zeit wäre, sich von Dir meine Mails vorführen zu lassen, da traf mich doch aber ein leichtes Zwicken im rechten Augenwinkel, denn Du hattest offenbar ein paar wichtige News für uns Jünger parat. Also raffte ich mich notgedrungen auf und ging Deiner Avance nach, sich zu informieren. Aber was las ich denn da? Du willst das Handling zum Datenschutz vereinfachen? Du willst einfach ein paar Zusammenfassungen vornehmen und dann für all Deine Dienste nur noch eine Richtlinie einführen? Hey, Schnuggi, hast Du ein paar Haschtage zu viel gehabt, oder wie? Geht’s noch? Hör auf damit, diesen Kinderkram nachzuäffen, den jeder Fateblog-User schon über sich hat ergehen lassen müssen.

Das einzig richtige, was Du machen solltest, ist die Abschaffung der Privatsphäre und des lustigen Datenschätzelchens zu forcieren. Du, Mäusezähnchen, ich hab‘ da gestern oder vorgestern so ’ne Tante im TV gesehen, die glaub‘ ich von den Pirolen oder Piraten oder wie diese Truppe da heißt, war, die meinte, dass Privatsphäre so was von Eighties wäre, und dass all die, die daran noch festhielten, sich darüber im Klaren sein sollten, dass sie ab sofort Artenschutz (auf Arte) beantragen müssen, da sie aus der ideologischen Antike kämen. (Anm: Herr Kluge, verzeihen Sie mir bitte an dieser Stelle die Nutzung des Namens eines Projekts von Ihnen). Ich komme so richtig gerne aus der Antike und ich werde dort auch ganz sicher bleiben; schon allein deshalb, weil deren pólis um Dimensionen demokratischer war, als die sich neu konstituierende(n) digitale(n) Version(en). Da aber digital DER Imperativ schlechthin ist, ist es unabdingbar, Darling, dass Du deren Interessen spiegelst und ernst nimmst. Und daher rate ich Dir mehr als dringend: Schaff den Datenschmutz einfach ab und lege die Daten endlich nackt auf die Desktops aller Jünger, die hier mit von der Party sein wollen. Jeder Schmutz ist immer Ballast und eigentlich bist Du doch im Kern Deines Wesens, genau wie ich, eher Minimalist. Du wirst sehen, man wird es Dir danken. Der einfachste Schachzug für die Umsetzung wäre, dass Du Deine Suchalgorithmen temporär so ausgestaltest, dass nur noch, wer auf die private Sphäre verzichtet, bei Dir vollumfänglich fündig werden kann; alle anderen werden halt ein wenig gefiltert. Dieses Spiel erprobst Du ja seit gestern auch schon. Du bist einer von der schnellen Truppe; das schätze ich so sehr an Dir: Nicht labern und bloggen, sondern rackern und rocken! So klappt’s auch gleich mit YouTube viel besser und mit dem Plus ziehst Du dann endlich die Kreise, die Dir gebühren.

Apropos Kreise, Du solltest als Jahresziel abzirkeln, dass Du endlich die Pool erreichst! Du bist einfach noch nicht (nominal) wirtschaftlich genug, wie ich finde; trotz, dass Deine Renditen ja schon mal nicht so schlecht sind: Etwa 20 $ pro User/Jahr erwirtschaftest Du, Marki kommt nicht mal auf 3 $ und diese Zwitscher-Heinis packen ja nicht mal den Dollar. Damit wir uns hier nicht missverstehen, Liebes, ich verneige mich ja vor Deiner Effizienz, denn Du machst mit einem Bruchteil der User die Marki hat ein Vielfaches seines Umsatzes. Da sieht man auch mal, dass Masse nicht alles ist.

Aber Du warst im letzten Jahr eben nur die Nummer 2 hinter diesem Apfelkonzern, der den hübschen Künstlernamen  Bloody-Apple  tragen darf, weil er sich immer so aufopfernd um seine Lohnarbeiter bei Foxconn kümmert. Die springen für Apple von fast jeder Brücke oder war’s von jedem Band? Egal. Die machen jedenfalls mehr Umsatz als Du, Liebes und haben immerhin fast doppelt so viel an Rücklagen. Du hast hier zwar echt gigantisch aufgeholt und immerhin schon fette 50 Mrd. auf der niedrigen Kerbe, aber das ist ja eher was für die Portokasse eines Segelclubs oder eines Golf-Trolley-Herstellers, aber gewiss nichts für Dich, Schnuggi. Du bist zu Höherem berufen! Und wir beide wissen ja, dass die Luzi in diesem Jahr ohnehin so richtig abgehen dürfte, denn Android wird zur Symphonie aufsteigen und Chrome wird zwangsweise den Feucherfuchs in den Schatten stellen. Aus meiner Sicht zwar leider, Purzelchen, denn ich muss Dir leider hier als kleines Geheimnis offenbaren, dass ich bisher noch fuchsteufelswild bin und mich der Verchromung bisher entzogen habe, aber wenn mein a-Pad (das ‚a‘ steht für anonymous) im Frühjahr in meine Katakomben flattern wird, dann wird Bruder Android mir schon symphonisch das hohe Lied Deiner Sehnsüchte blasen, so dass ich reumütig der Versilberung dann zustimmen werde. So ein wenig locken musst Du mich eben ab und an auch, Schnuggi, denn wir wollen doch unsere Liebe frisch halten; vergiss nicht, es sind schon 14 Jahre.

Und hey, mächtig ins Zeug zu legen scheinst Du Dich ja auch für den akademischen Vertrieb, oder wie Fischer-Lescano es nennen würde, für die Kadettenanstalten der Finanzmärkte, (Anm: der Mann ist mir mega-sympathisch; Du weißt doch, das ist der, der VroniPlag eine sichere Existenz ermöglichte, indem er das Märchen vom Überflieger Karl-Theodor aus Bullerbü schuf.) denn Dein Institut an der HU zu Berlin scheint ja schon recht gut Fuß gefasst zu haben, wie ich kürzlich erfuhr. Das freut mich umso mehr, denn neben der Säule des Certified Teachers ist es Dir damit möglich, diesen Muff unter den Talaren endlich wieder anzugehen. Wichtig ist hierbei, dass Du Deine Suchalgorithmen aber hier anders filtern lässt; denn dieses Malheur, dass man Noten findet, die zwar eh nur fußklein sind, aber falsch gesetzt wurden oder auch mal vergessen worden sind, dies sollte nicht mehr auftreten (können); das ist schlicht Schnickschnack. Also pass bitte hier die Suchanfragen so an, dass die Ergebnisse zur vollsten Zufriedenheit aller ausfallen. Und damit die Jungs und Mädels bei VroniPlag keinen Arbeitsschwund zu befürchten haben, rate ich Dir, dass Du diesem Kreis wieder eine andere Version der Suche schaltest. Dort werden dann eben Dummys angezeigt, die aber nur für Dich als Dummy erkennbar sind ;-) Langfristig wird sich so eine Metaebene für Kreise bilden, die Du dann wieder rekursiv plusen könntest. Man, das wird ein tolles Jahr und ich bin so stolz, dass ich Dich kenne, und dass wir uns so lieb haben. Aber Du hast es eben faustdick unter der Haube und wenn ich ehrlich bin, dann imponiert mir diese Macht mächtig…

Bussi,
Dein Mäusezähnchen

Infos zu dieser Liebeserklärung:
Bullshit-Index:  0.07
( http://www.blablameter.de )
Angeblich verfasst im Schreibstil von:  Melinda Nadj Abonji
( http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx )

Der kurze Sommer der Anarchie

14. Juni 2011 1 Kommentar

Als Hans Magnus Enzensberger vor etwas mehr als 34 Jahren seinen Roman-Essay, oder wie auch immer man das Werk einordnen möchte (wer’s denn braucht) mit dem Titel dieses Beitrags hier veröffentlichte, und darin, anhand der Ereignisse in Spanien im Sommer 1936, (u.a.) über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, aber auch Kunst nachdachte, da war er, -wie tlw. auch noch heute- seiner Zeit mal wieder etwas voraus. Sowohl was das Genre der Betrachtungen zum Gegenstand hatte, als auch was das Ziel des Buches betraf.

Mir scheint, dass es mal wieder Zeit wäre, dieses Werk zu lesen; nicht nur, weil Teile der arabischen Welt im Umbruch sind, sondern auch, weil sich die Blicke auf die Dinge oftmals im Lauf der Zeit bekanntlich auch ändern bzw. erweitern. Zudem lässt sich, nomen est omen was die Bezeichnung dieses Ressorts hier betrifft, somit auch mal an einer kleinen Vorskizze verdeutlichen, dass die Bereiche Literatur, Kunst, Politik -und über alle am Himmel das Träumen- eben (auch) sehr eng miteinander zusammenhängen (können). Man denke beispielsweise daran, dass ja die Anarchie in gewisser Weise auch Parallelitäten zu einer dissipativen Gesellschaftstruktur hat, denn das „Ziel“ einer selbstbestimmten/ selbstverwalteten Gesellschaft ist ja soweit nicht von deren griechischen Wortstamm (= Herrschaftslosigkeit) entfernt; dass die konnotativen (= „übertragene“, „mitschwingende“) Bedeutungen hier auch andere sind und waren, mag sein. Hier wären wir nun wieder gleich beim Stichwort Semantiken und man könnte darüber in Exkurse verfallen, aber das Ministerium soll ja randständig seine Pforten offenhalten, so dass bestimmt noch lange Winter der Akkribie (des Aufarbeitens) hier kommen könnten.

Zudem habe ich aber nun auch mal gleich die Brücke zum Namen des Ministeriums schlagen können, denn wie man wohl nun vielleicht unerhörter Weise erkennt, kann man es getrost als (m)einen dissipativen Traum bezeichnen, dass man eben die dissipative Gesellschaft für eine spannende Option hält. Auch könnte man ja mal die Tatsache reflektieren, was denn das selbstbestimmte Träumen hier nun vielleicht metaphorisch/symbolistisch bedeuten könnte, denn qua status sind Träume ja nicht immer selbstbestimmt, weil das Unterbewusstsein hier oftmals eine mehr oder wenige gewichtige Rolle spielt bzw. spielen kann. Ein Schelm, wer hier an das Luzide denkt und vielleicht die Kunst zu Träumen nun auch -kohärent- ganz anders einordnen kann. Aber das sind, dies sei erwähnt, alles nur mögliche Lesarten; man muss und darf auch verwirren oder sich irren… Ich möchte nur verdeutlichen, dass der vielleicht etwas ungewöhnlich daherkommende Titel (im Sinne seiner Wortzusammensetzung) -trotz oder gerade wg. des langen Akronyms- dennoch durchdacht im Sinne der Vorstellungen ist, die ich von einer Gesellschaft habe. Dazu passend möchte ich abschliessend noch ein kleines Gedicht in den (Lebens)Raum stellen, um die vorgenannten Gedanken noch etwas zu illustrieren:

Befreiung von den großen Vorbildern
.
Kein Geringerer
als Leonardo da Vinci
lehrt uns
»Wer immer nur Autoritäten zitiert
macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch
doch nicht
von seinem Verstand«
Prägt euch das endlich ein:
Mit Leonardo
los von den Autoritäten!
.
( Erich Fried )