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Der kurze Sommer der Anarchie

14. Juni 2011 1 Kommentar

Als Hans Magnus Enzensberger vor etwas mehr als 34 Jahren seinen Roman-Essay, oder wie auch immer man das Werk einordnen möchte (wer’s denn braucht) mit dem Titel dieses Beitrags hier veröffentlichte, und darin, anhand der Ereignisse in Spanien im Sommer 1936, (u.a.) über das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, aber auch Kunst nachdachte, da war er, -wie tlw. auch noch heute- seiner Zeit mal wieder etwas voraus. Sowohl was das Genre der Betrachtungen zum Gegenstand hatte, als auch was das Ziel des Buches betraf.

Mir scheint, dass es mal wieder Zeit wäre, dieses Werk zu lesen; nicht nur, weil Teile der arabischen Welt im Umbruch sind, sondern auch, weil sich die Blicke auf die Dinge oftmals im Lauf der Zeit bekanntlich auch ändern bzw. erweitern. Zudem lässt sich, nomen est omen was die Bezeichnung dieses Ressorts hier betrifft, somit auch mal an einer kleinen Vorskizze verdeutlichen, dass die Bereiche Literatur, Kunst, Politik -und über alle am Himmel das Träumen- eben (auch) sehr eng miteinander zusammenhängen (können). Man denke beispielsweise daran, dass ja die Anarchie in gewisser Weise auch Parallelitäten zu einer dissipativen Gesellschaftstruktur hat, denn das „Ziel“ einer selbstbestimmten/ selbstverwalteten Gesellschaft ist ja soweit nicht von deren griechischen Wortstamm (= Herrschaftslosigkeit) entfernt; dass die konnotativen (= „übertragene“, „mitschwingende“) Bedeutungen hier auch andere sind und waren, mag sein. Hier wären wir nun wieder gleich beim Stichwort Semantiken und man könnte darüber in Exkurse verfallen, aber das Ministerium soll ja randständig seine Pforten offenhalten, so dass bestimmt noch lange Winter der Akkribie (des Aufarbeitens) hier kommen könnten.

Zudem habe ich aber nun auch mal gleich die Brücke zum Namen des Ministeriums schlagen können, denn wie man wohl nun vielleicht unerhörter Weise erkennt, kann man es getrost als (m)einen dissipativen Traum bezeichnen, dass man eben die dissipative Gesellschaft für eine spannende Option hält. Auch könnte man ja mal die Tatsache reflektieren, was denn das selbstbestimmte Träumen hier nun vielleicht metaphorisch/symbolistisch bedeuten könnte, denn qua status sind Träume ja nicht immer selbstbestimmt, weil das Unterbewusstsein hier oftmals eine mehr oder wenige gewichtige Rolle spielt bzw. spielen kann. Ein Schelm, wer hier an das Luzide denkt und vielleicht die Kunst zu Träumen nun auch -kohärent- ganz anders einordnen kann. Aber das sind, dies sei erwähnt, alles nur mögliche Lesarten; man muss und darf auch verwirren oder sich irren… Ich möchte nur verdeutlichen, dass der vielleicht etwas ungewöhnlich daherkommende Titel (im Sinne seiner Wortzusammensetzung) -trotz oder gerade wg. des langen Akronyms- dennoch durchdacht im Sinne der Vorstellungen ist, die ich von einer Gesellschaft habe. Dazu passend möchte ich abschliessend noch ein kleines Gedicht in den (Lebens)Raum stellen, um die vorgenannten Gedanken noch etwas zu illustrieren:

Befreiung von den großen Vorbildern
.
Kein Geringerer
als Leonardo da Vinci
lehrt uns
»Wer immer nur Autoritäten zitiert
macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch
doch nicht
von seinem Verstand«
Prägt euch das endlich ein:
Mit Leonardo
los von den Autoritäten!
.
( Erich Fried )
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