Europäische Schauermotette

Leise trällern Ökonomen der Vernunft
Ihre Elegien der Komplexität –
Anderswo zwitschern jene der Gegenzunft
Lautstarke Lieder als schmackhaftes Brät.
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Medialisiert wird immer und überall
Meist mit Erregung und Ideologie –
Realitäten kommen dabei zu Fall
Die Banken-Union ergötzt sich am „Si!“.
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Die Stimmen der Märkte wirken disparat
Doch ihr Parkett ist solide und versiegelt –
Für Menschen ist’s meist ein schmaler Grat
Im Tanz zu erkennen – wer warum abwiegelt;
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Drum wird debattiert, geblogt und gescholten
Gegliederte Klänge bezirz’n die Seelen –
Ob die Meere aus Chören das aber wollt’n
Wissen nur die Banken: Nach dem Taler zählen.
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© arso
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„Ehekredit“ – Anmerkungen zum Nonsenvorschlag der CDU in Sachsen-Anhalt

Es gibt sie immer wieder, diese Tage, an denen man von Dingen Notiz nimmt, die einen sofort denken lassen: „Das kann nur ein grottenschlechter Scherz sein. Das ist schier surreal.“ Kürzlich war wieder mal einer dieser Tage. In der taz konnte man lesen, dass die ehrwürdige CDU jenes Bundeslandes, in welchem ich doch sehr gerne lebe, also Sachsen-Anhalt, mal wieder eine tolle Idee hat(te), wie man mittels Steuergelder zu neuen Ufern steuern könnte. Und da Ideen ja heute nur noch eher selten dem platonischen Ideal entsprechen und diese auch greifbar sein müssen, wurde die Abteilung des Recylings bemüht und aus der Mottenkiste finsterster Vergangenheiten etwas hervorgekramt, bei dem man eigentlich nur attestieren kann, dass es die CSU plötzlich zur progressiven Truppe lanciert, wenn diese ihre Herdprämie gegen alle Widerstände verteidigt, so reaktionär und weltfremd ist diese alte Idee.

Worum geht’s? Nun, die CDU möchte jüngeren Paaren, die gerade geheiratet haben, oder überlegen, sich vielleicht in Kürze zu ehelichen, eine Option etwas schmackhafter machen, die das ein oder andere Paar sicher hat: Die Planung von Nachwuchs. Und da der gemeine Deutsche sein Leben in der Regel sehr konstant am Reißbrett plant und er auch berücksichtigen muss, dass dies alles auch etwas kostet, hat man sich bei der CDU ST gedacht, dass man diese Überlegungen ein wenig mit Zucker anfüttert und den Potentaten etwas unter die Arme greifen muss. Ergebnis: 5000 EUR als „Ehekredit“. Für die Rückzahlung hat man sich eben das aus DDR-Zeiten bekannte Bonmot „einfallen“ lassen, dass, je mehr Kinder man dann bekäme, je weniger muss man von diesem Kredit zurückzahlen. Soweit so „schön“ …

Liebe CDU in Sachsen-Anhalt,

ad 1)

Es erfüllt den Tatbestand der Diskriminierung, dass im Vorschlag festgeschrieben ist, dass diese Prämie nur für Menschen bis 35 Jahren gezahlt werden soll. Gem. GG würde dies eine Ungleichbehandlung darstellen, die so nicht hingenommen werden kann. Zudem: es existieren keinerlei Gründe dafür, warum man überhaupt eine Grenze im Alter macht, denn, wenn überhaupt, dann sollte es jedem selbst überlassen bleiben, wann er es für richtig hält, Kinder zu bekommen. Die Grenze ist willkürlich. Die Vorgabe durch den Staat wäre also eine Verletzung von Grundrechten gem. GG.

ad 2)

Ebenso diskriminierend ist es, daß dieser Vorschlag nur für verheiratete (heterosexuelle) Paare geöffnet werden soll. Dies ist schlicht reaktionär, da es die Lebenswirklichkeit(en) komplett verkennt; dies ist nicht nur eine Verzerrung selbiger. Es fällt schwer, sachliche Gründe dafür zu finden, warum man nur eine verheiratete Lebensgemeinschaft kreditieren könnte, während z.B. Menschen, die „nur“ zusammenleben (heterosexuell wie homosexuell) diese Option dann nicht hätten. Das ist einfach nur irrsinnig. Dies möglicherweise damit zu „begründen“, dass die (heterosexuelle) Ehe unter besonderem Schutz des GG stände, würde nur zeigen, dass das Familienbild der CDU leider reaktionärer ist, als man es für möglich gehalten hätte.

ad 3)

Als Steuerungsinstrument für eine Familienpolitik ist diese Idee mehr als ungeeignet, denn auch der CDU in ST dürfte nicht entgangen sein, dass Deutschland von jeher ein Land ist, das z.B. ein deutlich über dem EU-Durchschnitt liegendes Kindergeld zahlt und dennoch die Geburtenraten hier nicht gestiegen sind. Vielmehr sollte es so sein, dass man das Bekommen von Kindern NICHT an irgendwelche pekuniären Anreize knüpft, sondern dass man stattdessen die Infrastrukturen endlich mal so verbessert, dass die Vereinbarkeit von Kindern und Job besser wird. Oder aber, was noch viel besser wäre, man investiert Geld in eine Aufklärungskampagne, die da kolportieren könnte, dass Kinder einen Wert an sich darstellen – für jede Familie. Wir müssen davon wegkommen, immer Kostenargumente mit dem Kinderhaben in den Vordergrund zu stellen. Dafür bedarf es sicher erheblicher Anstrengungen, um hier im Bewusstsein (wieder) einen Wandel herbeizuführen, aber Steuermittel wären dafür gewiss besser verwendet …

Von daher:
Bitte zurück in die Mottenkiste mit dieser Idee!

In memoriam: Günter Gaus

Ich möchte an diesem Tag an eine Persönlichkeit erinnern, die mich geprägt hat, wie kaum eine zweite im Rahmen meines Lernens über das, was ein Gespräch auszeichnet bzw. was es transportieren soll(te): Günter Gaus. Heute vor 8 Jahren verstarb er leider viel zu früh und hinterließ -sicher nicht nur bei mir- eine Lücke in der medialen Wahrnehmung der Gesprächskultur, die in meinen Augen nie (wieder) geschlossen werden konnte und vielleicht auch auf absehbare Zeit kaum mehr geschlossen werden kann.

Als Gaus im April 1963, also vor fast 50 Jahren, mit seiner Sendereihe „Zur Person“ im ZDF auf Sendung ging, da konnte wohl niemand ahnen, wie nachhaltig, wie lebendig er das Genre des Gesprächs im Medium TV verändern würde. Ich möchte mir an dieser Stelle denn auch große, ausufernde Worte ersparen, denn sie waren weder seine Sache, noch könnten sie überhaupt das beschreiben, was er mir bedeutet. Alljährlich gedenke ich still an diesem Tag dem für mich mit Abstand besten Interviewer, den das (deutsche) TV jemals hervorgebracht hat.

Wenn man berücksichtigt, wie die Dramaturgien heutiger Interviews und Gesprächsrunden mit ihren geskripteten Fragen, die vorher alle gegengeprüft worden sind und die kaum mehr das Moment des wahrhaft (nach)denkenden Menschen zu zeigen vermögen, abgespult werden, dann sehnt mir nach einer Instanz, die beharrlich, aber mit Respekt, die vorbereitet, aber dramaturgisch frei, die kontextsensitiv und empathisch eine Atmosphäre zu schaffen vermag, in der man sich auf Augenhöhe begegnet und die (auch) sokratisch nach dem Neuen sucht, während Fäden gesponnen werden bzw. diese aufgegriffen werden… dann sehnt mir nach einer Instanz, die zwischen den Zeilen zu lesen und zuhören zu vermag, die artikuliert, was mit Worten (manchmal) kaum gesagt werden kann, aber was in den Gesichtern des Gesprächspartner doch (auch) geschrieben steht – ohne sie bloßzustellen.

Lieber Günter Gaus, ich wünschte mir, dass das ZDF all seine unter dem Label „TV-Talk“ laufenden Formate einmal für einen Monat einstellen würde und dass dafür Wiederholungen Ihrer Sendungen gezeigt würden. Es wäre keine Vermessenheit, wenn man die These aufstellen würde, dass diese mehr Inhalt und Substanz hätten, als das Nihil der derzeit dort gezeigten Sprechblasenrunden mit Model(l)-Charakter an Inszenierungen. Erlauben Sie mir daher eine letzte Frage: Wäre es wirklich in Ihrem Sinne gewesen, dass scheinbar niemand mehr diese Schätze der Gesprächskultur vollumfänglich wahrnehmen kann? Eben dieses ZDF wiederholt zwar nahezu jeden Firlefanz und stellt (gefühlt) jede noch so große Banalität in seiner Mediathek zur Schau, aber wahre Kunstfertigkeiten werden nicht mehr abgebildet und öffentlich zugänglich gemacht. Schade, sehr schade, wie ich finde! Aber ich bin unendlich glücklich, dass es Sie gab und dass ich so viel von Ihnen lernen konnte …

Mo-der-ne Erregungen

Mo-der-ne Erregungen

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Beständig inhaltsleer
Schwappen Wellen der Erregung
Reflexartig in unsere vernetzten Lebensräume.
Sie tragen Mahner der Weisheit auf ihren spiegelnden Oberflächen
Welche uns für Augenblicke blendend umarmen – mit ihrer rhetorischen Akrobatik
Die sich des sophistischen Spiels bedient – um wieder zu erzeugen:
Leere, die gefüllt werden muss – mit Erregung
Die übers Land schwappen soll
Beständig inhaltsleer.
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© arso

Betriebsamkeit

Der Politikbetrieb erklärt sich
für nicht zuständig
sagte das verlorene Gewissen.
Berufsdemokraten entwerfen Gesetze,
und vergisst man deren Lesungen,
dann kostet ein leckeres Gericht
einfach später ihre neuen Entwürfe.
Das geht schon seit über 60 Jahren so,
sonst wär‘ der Ständeschutz für Advokaten
schon zerbrochen – an seiner Präzision.
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Der Demokratiebetrieb erklärt sich
für nicht (mehr) zuständig
sagte das verlorene Vertrauen.
Marktpolitiker erproben den Konformismus,
und scheitert eine Versuchsanordnung,
erlässt eine Studie neue Aspekte,
die appliziert werden – auf die freie Wildbahn.
Das geht schon seit vielen Tagen so,
sonst wär‘ die Rückbesinnung auf die pólis
vielleicht schon wieder en vogue – im Hamsterrad.
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© arso

Des Mohnisters Osterschrei – Eijeijei!

Lieber GnBK’ler,

Monister Arso wünscht Euch -trotz der (hier) fast schon arktisch anmutenden Temperaturen- ein schönes Osterfest und möchte zugleich dabei verkünden, dass dieser sein Mohnisterium nun ins GnBK-Headquarter verlegt hat und selbiges daher ab sofort via WordPress zu erreichen ist. Für eine Übergangszeit lasse ich die Blogspot-Präsenz aber noch online und stelle dort einen Verweis ein, dass man das Mohnisterium nun hier findet. Leider musste das Mohn-Layout dran glauben, da WordPress faktisch kaum Möglichkeiten bietet, HTML/CSS nativ zu bearbeiten. Nun denn, man kann nicht alles haben…

Nachfolgend noch ein paar Zeilen von Hans Bötticher (aka J. Ringelnatz) und dem Mohnister, der sich erlaubt hat, hier eine Erweiterung vorzunehmen um somit diesen Ostergruß zu kritzeln…

Und der Osterhase legt
(Bald sehr eitel, bald bewegt)
Rührei oder Spiegelei.
Schauerlich stöhnt er dabei.
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Er schnellt durch’s Gras
Bis Sonntag muss er fertig sein –
Will schlürfen dann ein Glas
Und futtern was in sich hinein.
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Er spitzt die Ohren extra lang
(Mal geduckt, mal hoch gestreckt)
Und lauscht der Setzeier Klang
Der aus grünen Pfannen ihn neckt.
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Er träumt dabei vom Häschen
(Mal verspielt, mal gezielt)
Das trinkt mit ihm das Gläschen
Und auf sein Fell dann schielt …

Herzliche Grüße,
arso